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Kanban

Kanban ist eine Methode zur Visualisierung von Prozessen und Workflows, deren Ursprünge im Lean Management liegen. Sie basiert auf wenigen Grundprinzipien und Kerneigenschaften. Über abgeleitete Kenngrößen und Metriken können die betrachteten Prozesse analysiert und verbessert werden.

In der IT und speziell in der Software-Entwicklung hat Kanban einen festen Platz, da es sehr einfach einzuführen ist, keine Änderungen an bestehenden Prozessen voraussetzt und daher schnell eingesetzt werden kann.

Die Beschreibung ist folgendermaßen gegliedert:


1. Die Kanban-Grundlagen

1.1 Die Grundprinzipien und Kernpraktiken

Die drei Grundprinzipien („Foundational Principles“, FPs nach /Burrows14/, auch „Basic Principles“ nach David Anderson /Anderson11, Anderson09/) von Kanban lauten:

  1. Beginne dort, wo Du Dich im Moment befindest (Start with what you do now)
  2. Komme mit den anderen überein, dass inkrementelle, evolutionäre Veränderungen angestrebt werden (Agree to pursue incremental, evolutionary change)
  3. Respektiere den bestehenden Prozess sowie die existierenden Rollen, Verantwortlichkeiten und Berufsbezeichnungen (Respect the current process, roles, responsibilities and titles)

Als fünf Kernpraktiken („Core Properties“, CPs nach /Burrows14/, früher auch Kerneigenschaften = „Core Properties“ nach David Anderson /Anderson11, Anderson09/) werden benannt:

  1. Visualisiere den Fluss der Arbeit (Workflow) (Visualize workflow)
  2. Begrenze den Work in Progress (Menge an begonnener Arbeit) (Limit work in progress)
  3. Führe Messungen zum Fluss durch und kontrolliere ihn (Measure and manage flow)
  4. Mache die Regeln für den Prozess explizit (Make process policies explicit)
  5. Verwende Modelle, um Chancen für Verbesserungen zu erkennen (Use models to recognize improvement opportunities)

Inzwischen (seit 2014) sind ein weiteres Grundprinzip und eine weitere Kernpraktik hinzugekommen (siehe beispielsweise /Burrows14/). Diese lauten:

  1. Fördere Leadership auf allen Ebenen in der Organisation (Encourage acts of leadership at all levels in your organization – from individual contributor to senior management)

und

  1. Führe gemeinschaftliche Verbesserungen durch (Improve collaboratively, evolve experimentally)

1.2 Das Kanban-Board

Das Kanban-Board ist das zentrale visuelle Element von Kanban. Hierüber wird ein Prozess dargestellt, in dem die Prozessschritte über Spalten beschrieben werden. Die Aufgaben, die bearbeitet werden sollen, werden über Aufgabenzettel erfasst. Durch Umhängen der Aufgabenzettel (entsprechend ihres Umsetzungsstatus) wird der Workflow nachgestellt/beschrieben.

In den jeweiligen Spalten wird notiert (hier als rote Zahlen), wie viele Aufgaben gleichzeitig in dem jeweiligen Prozessschritt bearbeitet werden dürfen, wobei ein rotes Sternchen (*) „beliebig viele“ bedeutet. Hierdurch wird die Menge an gleichzeitig zu bearbeitenden Aufgaben (WIP = Work in Progress) reduziert.

Das Kanban-Board, (C) Peterjohann Consulting, 2013-2017

Abbildung 1.1: Das Kanban-Board


2. Metriken in Kanban

Über Metriken wird das Verhalten eines Kanban-Systems so erfasst und beschrieben, dass Abweichungen und Optimierungspotenziale erkannt werden können. Typische Metriken im Kanban-Umfeld sind:

  • Das Cumulative Flow Diagramm (CFD)
  • Das Control Chart Diagramm
  • Das Histogramm

Diese Diagramme/Metriken werden hier kurz dargestellt und der Kanban-Präsentation (siehe unter A. Ressourcen) tiefergehend erläutert.

Das Kanban-Board zeigt immer nur eine Momentaufnahme des aktuellen Zustands der Arbeit im Kanban-System. Es ist jedoch wichtig, den Fortschritt der Arbeit im Laufe der Bearbeitung zu beobachten, um daraus Rückschlüsse auf das System-Verhalten ziehen zu können. Hierzu wird in Kanban das Cumulative Flow Diagram (abgekürzt: CFD) eingesetzt. Dabei werden zu einem bestimmten Zeitpunkt (üblicherweise beim Stand-up nach dem Umhängen der Tickets) die Tickets gezählt und entsprechend ihrer Häufigkeit in ein xy-Achsen-Diagramm aufgetragen. Durch Verbinden der Linien (die zu einer Spalte / zu einem Prozessschritt gehören) ergibt sich im Laufe der Bearbeitungszeit eine komplette Verlaufsgrafik.

Das Cumulative Flow Diagram, (C) Peterjohann Consulting, 2013-2017

Abbildung 2.1: Das Cumulative Flow Diagram (CFD)

In einem Kanban-System werden von den Tickets, die gerade das System verlassen, die Durchlaufzeiten (in Tagen oder Takten) notiert. Hierüber werden dann Abweichungen schnell erkannt. Gerade wenn man Maßnahmen umgesetzt hat, müssten sich deren Auswirkungen recht einfach über das Control Chart zeigen.

Das Control Chart Diagram, (C) Peterjohann Consulting, 2013-2017

Abbildung 2.2: Das Control Chart Diagram

Die Histogramm-Darstellung wird in Kanban genutzt, um die Verteilung der Häufigkeiten der Durchlaufzeiten zu visualisieren. Hierzu wird von jedem Ticket, welches alle Prozessschritte durchlaufen hat, die Durchlaufzeit notiert, indem bei einem (vorbereiteten) xy-Diagramm auf der entsprechenden vertikalen Linie eine Markierung vorgenommen wird.

Das Histogramm, (C) Peterjohann Consulting, 2013-2017

Abbildung 2.3: Das Histogramm


3. Zum theoretischen Hintergrund von Kanban

Kanban hat Einflüsse aus den Bereichen Toyota Production System, Lean Thinking, Engpasstheorie (Theory of Constraints), Warteschlangentheorie (Product Development Flow) aufgenommen.

SW-Kanban: Einflüsse, (C) Peterjohann Consulting, 2013-2017

Abbildung 3.1: Einflüsse auf die Entwicklung von Software-Kanban


A. Ressourcen

A.1 Meine Präsentationen und Veröffentlichungen

A.1.1 Meine öffentlichen Präsentationen zu Kanban

InhaltVersionStandSeitenGrößeTyp
Kanban – Eine Kurzübersicht0.1006/2014340,3 MB pdf (pdf)
Kanban – Eine Übersicht0.1011/20131000,8 MB pdf (pdf)
Kanban – Die Langfassung (Erscheinen für Q3/2017 geplant)0.00Q2/2017ca. 180ca. 1,8 MB pdf (pdf)

A.1.2 Meine Veröffentlichungen und Vorträge zu Kanban

Kanban in Projekten (eStrategy-Magazin 02/2014 (10.06.2014))

/estrategy-kanban/ eStrategy-Magazin 02/2014 (10.06.2014), Seite 67-71:
eStrategy-Magazin 02/2014 (online)
„Kanban in Projekten“ pdf
(Kostenfrei von dieser Website herunterladbar. Dieser Artikel ist zuerst erschienen im eStrategy-Magazin, Ausgabe 02/2014. Download der pdf-Datei mit freundlicher Genehmigung des Verlags.)


A.2 Literatur

Die Literatur zu Kanban ist derzeit noch überschaubar. Das Basiswerk ist /Anderson11/.

A.2.1 Bücher zu Kanban (in der IT)

  1. /Anderson03/ David J. Anderson: Agile Management for Software Development: Applying the Theory of Constraints for Business Results, Prentice Hall International, Upper Saddle River, New Jersey 2003, ISBN 978-0-13-142460-9
  2. /Anderson09/ David J. Anderson: Kanban: Successful Evolutionary Change for Your Technology Business, Blue Hole Press, Sequim, Washington 2009, ISBN 978-0-9845214-0-1
  3. /Anderson11/ David J. Anderson: Kanban: Evolutionäres Change Management für IT-Organisationen, dpunkt, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-89864-730-4
  4. /Anderson12/ David J. Anderson: Lessons in Agile Management: On the Road to Kanban, Blue Hole Press, Sequim, Washington 2012, ISBN 978-0-9853051-2-3
  5. /Benson11/ Jim Benson, Tonianne DeMaria Barry: Personal Kanban, Createspace, Charleston 2011, ISBN 978-1-4538-0226-7
  6. /Benson12/ Jim Benson, Tonianne DeMaria Barry: Personal Kanban: Visualisierung und Planung von Aufgaben, Projekten und Terminen mit dem Kanban-Board, dpunkt, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-89864-822-6
  7. /Brechner15/ Eric Brechner: Agile Project Management with Kanban, Microsoft Press, Redmond, Washington 2015, ISBN 978-0-7356-9895-6
  8. /Björk15/ Jannika Bjorkholm, Tomas Bjorkholm: Kanban in 30 Days, ImPackt Publishing, ImPackt Publishing, Santa Clarita, California 2015, ISBN 978-1-78300-090-6
  9. /Burrows14/ Mike Burrows: Kanban from the Inside: Understand the Kanban Method, connect it to what you already know, introduce it with impact, Blue Hole Press, Sequim, Washington 2014, ISBN 978-0-9853051-9-2
  10. /Burrows15/ Mike Burrows: Kanban. Verstehen, einführen und anwenden, dpunkt, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-86490-253-6
  11. /Kniberg10/ Henrik Kniberg, Mattias Skarin: Kanban and Scrum – Making the Most of Both, lulu.com, Raleigh, North Carolina 2010, ISBN 978-0-557-13832-6 (siehe auch /#Kanban-Mini-Buch-10/)
  12. /Kniberg12/ Henrik Kniberg: Lean from the Trenches: Managing Large-Scale Projects with Kanban, Pragmatic Programmers, Raleigh, North Carolina 2012, ISBN 978-1-934356-85-2
  13. /Ladas09/ Corey Ladas: Scrumban – Essays on Kanban Systems for Lean Software Development, Bertrams Print on Demand, Swindon, Wiltshire, Great Britain 2009, ISBN 978-0-578-00214-9
  14. /Leopold13/ Klaus Leopold, Siegfried Kaltenecker: Kanban in der IT: Eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung schaffen, Hanser, München 2. Auflage 2013, ISBN 978-3-446-43826-2
  15. /Leopold15/ Klaus Leopold, Siegfried Kaltenecker: Kanban Change Leadership: Creating a Culture of Continuous Improvement, John Wiley & Sons, Wiley & Sons, Hoboken, New Jersey 2015, ISBN 978-1-119-01970-1
  16. /Leopold16/ Klaus Leopold: Kanban in der Praxis. Vom Teamfokus zur Wertschöpfung, Hanser, München 2016, ISBN 978-3-446-44343-3
  17. /Ortiz15/ Chris A. Ortiz: Kanban Playbook, Productivity Press, Boca Raton, Florida 2015, ISBN 978-1-4987-4175-0
  18. /Reddy15/ Ajay Reddy, Jack Speranza: The ScrumBan [R]Evolution. Getting the Most Out of Agile, Scrum, and Lean Kanban, Addison-Wesley Education, Old Tappan, New Jersey 2015, ISBN 978-0-13-408621-7
  19. /Reiner09/ Donald G. Reinertsen: The Principles of Product Development Flow: Second Generation Lean Product Development, Celeritas Publishing, Redondo Beach, California 2009, ISBN 978-1-935401-00-1
  20. /Scotland18/ Karl Scotland: Practical Kanban, Addison-Wesley Education, Old Tappan, New Jersey 2018, ISBN 978-0-321-76812-4 (noch nicht erschienen)
  21. /Skarin15/ Mattias Skarin: Real-World Kanban, Pragmatic Bookshelf, Frisco, Texas 2015, ISBN 978-1-68050-077-6
  22. /Tousignant15/ Dan Tousignant: Simple Kanban for Software Development Teams: Implementing Kanban using Scrum and other Agile techniques, Cape Project Management, Plymouth, Massachusetts 2015, ISBN 978-0-692-38374-2
  23. /Wolf11/ Henning Wolf: Agile Projekte mit Scrum, XP, Kanban im Unternehmen durchführen: Erfahrungsberichte aus der Praxis, dpunkt, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-89864-752-6
  24. /Wolf15/ Henning Wolf: Agile Projekte mit Scrum, XP, Kanban: Erfahrungsberichte aus der Praxis, dpunkt, Heidelberg 2. Auflage 2015, ISBN 978-3-86490-266-6

A.2.2 Bücher zu den Ursprüngen von Kanban

  1. /Goldratt13/ Eliyahu M. Goldratt: Das Ziel. Ein Roman über Prozessoptimierung, Campus, Frankfurt 5. Auflage 2013, ISBN 978-3-593-39853-2
  2. /Ohno13/ Taiichi Ohno: Das Toyota-Produktionssystem, Campus, Frankfurt 3. Auflage 2013, ISBN 978-3-593-39929-4
  3. /Womack13/ James P. Womack, Daniel T. Jones: Lean Thinking: Ballast abwerfen, Unternehmensgewinn steigern, Campus, Frankfurt 3. Auflage 2013, ISBN 978-3-593-39843-3

A.2.3 Bücher zu Lean (in der SW-Entwicklung)

  1. /Popp03/ Mary Poppendieck, Tom Poppendieck: Lean Software Development: An Agile Toolkit for Software Development Managers, Addison-Wesley Professional, Old Tappan, New Jersey 2003, ISBN 978-0-321-15078-3
  2. /Popp06/ Mary Poppendieck, Tom Poppendieck: Implementing Lean Software Development: From Concept to Cash, Addison-Wesley Professional, Old Tappan, New Jersey 2006, ISBN 978-0-321-43738-9
  3. /Popp09/ Mary Poppendieck, Tom Poppendieck: Leading Lean Software Development: Results are Not the Point, Addison-Wesley Professional, Old Tappan, New Jersey 2009, ISBN 978-0-321-62070-5
  4. /Shallow09/ Alan Shalloway, Guy Beaver, James R. Trott: Lean-Agile Software Development: Achieving Enterprise Agility, Addison-Wesley Longman, Amsterdam 2009, ISBN 978-0-321-53289-3

A.3.1 Kostenfreie & Empfehlenswerte Websites oder Downloads (zum Einstieg)

A.3.2 Regelmäßige Konferenzen & Veranstaltungen

A.3.3 Verbände (und deren Zertifikate)

  • /Lean-Kanban-Uni/ Lean-Kanban University, Eigentext: „Lean-Kanban University (LKU) works to assure the highest quality coaching and training on Kanban for knowledge work and service work worldwide.“

A.3.4 Ergänzende Informationen

A.3.5 Videos (online, kostenfrei)

A.3.6 Blogs

Legende zu den Weblinks
/ / Verweis auf eine Website (generell)
/*/ Verweis auf eine Website, die als Buch-Ergänzung dient
/#/ Verweis auf einzelnes Thema auf einer Website
/#V/ Verweis auf ein Video auf einer Website