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Prozessmanagement

Arbeitsbereiche Peterjohann Consulting, (C) Peterjohann Consulting, 2005-2017

Die systematische Erfassung und Modellierung von Geschäftsprozessen gehört zu den Basisaktivitäten des Softwareentwicklers aber auch des Requirements Engineers oder des Systemingenieurs. Um richtig modellieren zu können, müssen Basisbegriffe rund um das Geschäftsprozessmanagement (kurz: GPM; englisch: Business Process ManagementBPM auch Prozessmanagement) bekannt sein.


1. Basisdefinitionen

Es finden sich folgende zentrale Begriffe rund um das Geschäftsprozessmanagement:

  • Geschäftsprozesse
  • Geschäftsprozessmanagement
  • Workflows

Diese werden hier (in kurzer Form) definiert.

1.1 Geschäftsprozesse

Ein Geschäftsprozess oder Geschäftsprozesse …

  • „sind eine Menge von Aktivitäten, für die eine oder mehrere unterschiedliche Inputs benötigt werden und die für den Kunden ein Ergebnis mit Wert erzeugen.“ (Hammer/Champy 1994)
  • „ist der Ablauf eines für die Wertschöpfung einer Organisation wichtigen Vorgangs von seiner Entstehung bis zu seiner Beendigung.“ (Scheer/Zimmermann 1996)
  • „ist eine zielgerichtete, zeitlich-logische Abfolge von Aufgaben, die arbeitsteilig von mehreren Organisationen oder Organisationseinheiten unter Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien ausgeführt werden können.“ /Gadatsch12/

Die Abgrenzung des Begriffs „Prozess“ vom Begriff „Geschäftsprozess“ wird von Schmelzer /Schmelzer13/ folgendermaßen vorgenommen:

  • „Ein Prozess besteht aus einer Folge von Aktivitäten, die aus definierten Inputs definierte Outputs erzeugen.“
  • „Ein Geschäftsprozess besteht aus der funktions- und organisationsüberschreitenden Folge wertschöpfender Aktivitäten, die von Kunden erwartete Leistungen erzeugen und die aus der Geschäftsstrategie und den Geschäftszielen abgeleiteten Prozessziele erfüllen.“

Prozesse vs. GPs, (C) Peterjohann Consulting, 2006-2017

Abbildung 1.1: Abgrenzung Prozess und Geschäftsprozess /Schmelzer13/

1.2 Geschäftsprozessmanagement

Die nachfolgende Definition beschreibt den Begriff Geschäftsprozessmanagement recht umfassend:

  • „Unter Geschäftsprozessmanagement (oder auch Prozessmanagement) wird ein integriertes Konzept von Führung, Organisation und Controlling verstanden, das eine zielgerichtete Steuerung der Geschäftsprozesse ermöglicht. Es ist auf die Erfüllung der Bedürfnisse der Kunden und anderer Interessengruppen (Mitarbeiter, Kapitalgeber, Eigentümer, Lieferanten, Partner, Gesellschaft) ausgerichtet und trägt wesentlich dazu bei, die strategischen und operativen Ziele des Unternehmens zu erreichen. Zielsetzung des Geschäftsprozessmanagements ist es, die Effektivität und Effizienz des Unternehmens zu erhöhen und damit den Wert des Unternehmens zu steigern.“ /Schmelzer13/

Wesentlich ist hier, dass den Bedürfnisse des Kunden eine zentrale Rolle zukommt: Diese Kundenzentrierung findet sich auch im Qualitätsmanagement wieder.

Die Geschäftsprozessmanagement hat vielfach Überschneidungen mit dem Projektmanagement und dem Requirements Engineering, so dass viele Vorgehensweisen der einen Disziplin auch in der anderen genutzt werden können. Das Qualitätsmanagement ergänzt alle Disziplinen.

BPM-Einordnung, (C) Peterjohann Consulting, 2006-2017

Abbildung 1.2: Geschäftsprozessmanagement und andere Basisdisziplinen

1.3 Workflows

Oftmals werden die Begriffe Geschäftsprozesse und Workflows gleichgesetzt, was nicht ganz richtig ist. Ein Workflow ist:

  • „ein formal beschriebener, ganz oder teilweise automatisierter Geschäftsprozess. Er beinhaltet die zeitlichen, fachlichen und ressourcenbezogenen Spezifikationen, die für eine automatische Steuerung des Arbeitsablaufs auf der operativen Ebene erforderlich sind.“ /Gadatsch12/
  • „ein Prozess, dessen Funktionsübergänge in der Kontrollsphäre eines Anwendungssystems liegen.“ /Becker05/
  • „eine technische Verfeinerung des betriebswirtschaftlichen Geschäftsprozesses. Als Kriterium für die Verfeinerung dient hierbei die Automatisierbarkeit.“ (Galler/Scheer 1995)
  • „ein ganz oder teilweise automatisierbarer Geschäftsprozess in dem Dokumente, Informationen oder Aufgaben von einem Teilnehmer an einen anderen zur Ausführung entsprechend einer Menge von prozeduralen Regeln übergeben werden.“ (WfMC – Workflow Management Coalition)

Die nachfolgende Abbildung stellt die Unterscheidungen zwischen Geschäftsprozessen und Workflows dar.

Geschäftsprozesse und Workflows, (C) Peterjohann Consulting, 2006-2017

Abbildung 1.3: Geschäftsprozesse und Workflows /Schmelzer13/


2. Die Beschreibung von Geschäftsprozessen

Geschäftsprozesse können auf vielerlei Arten beschrieben werden. Dabei haben sich Beschreibungsformen durchgesetzt, die eine Mischung aus

  • Toolunterstützung,
  • Weiterverwendbarkeit (in anderen Disziplinen oder Systemen),
  • Mächtigkeit der Sprache und
  • einfacher Erlernbarkeit

bieten.

Am einfachsten kann ein Geschäftsprozess als Text (oder Tabelle) beschrieben werden – diese Darstellung ist jedoch nicht einfach nachzuvollziehen. Daher werden im Allgemeinen grafische Repräsentationen vorgezogen, die unterschiedlichste Notationen nutzen. Eine Norm zur Darstellung von Geschäftsprozessen gibt es (noch) nicht.

Hier werden nur die ereignisgesteuerten Prozessketten (EPKs) vorgestellt, da diese die größte Verbreitung aller Notationen (in Deutschland) haben.

2.1 Ereignisgesteuerte Prozessketten

Die ereignisgesteuerten Prozessketten (EPKs) wurden Anfang der 90er Jahre (durch Scheer und andere) auf Basis der Petri-Netze entwickelt. Sie haben sich in der Praxis als meistgenutzte Methode zur grafischen Darstellung von Geschäftsprozessen durchgesetzt, da insbesondere das Zusammenspiel mit dem ERP-System SAP recht gut funktioniert.

Die EPKs bestehen nur aus wenigen Basiselementen, die miteinander kombiniert werden; diese Elemente sind in der nachfolgenden Abbildung wiedergegeben.

Notation EPKs, (C) Peterjohann Consulting, 2006-2017

Abbildung 2.1: Notationselemente für EPKs

Die beiden zentralen Elemente „Ereignis“ und „Funktion“ haben folgende Eigenschaften:

Das EPK-Element Ereignis, (C) Peterjohann Consulting, 2006-2017Das EPK-Element Funktion, (C) Peterjohann Consulting, 2006-2017

Abb. 2.2: Das EPK-Element „Ereignis“

Abb. 2.3: Das EPK-Element „Funktion“

Mit diesen Basiselementen können Sie bereits (einfache) Geschäftsprozesse darstellen. Nachfolgendes Beispiel zeigt eine einfache EPK.

Beispiel EPK, (C) Peterjohann Consulting, 2006-2017

Abbildung 2.4: Beispiel einer EPK – Bestellung


A. Ressourcen

A.1 Meine öffentliche BPM-Präsentation

Es gibt inzwischen eine Vielzahl guter Übersichten und Bücher zum Geschäftsprozessmanagement, so dass generell alle notwendigen Informationen dort gefunden werden können. Für den schnellen Einstieg bietet sich jedoch meine Basispräsentation an.

InhaltVersionStandSeitenGrößeTyp
Business Process Management – Eine Einführung (BPM-Basispräsentation)0.8606/2013660,4 MB pdf (pdf)

A.2 Literatur

Es gibt eine große Anzahl von Büchern zum Geschäftsprozessmanagement auf dem Markt; hier sind nur einige (neuere) Werke aufgeführt.

  1. /Allweyer05/ Thomas Allweyer: Geschäftsprozessmanagement, w3l, Bochum 2005, ISBN 978-3-937137-11-7
  2. /Becker12/ Jörg Becker, Martin Kugeler, Michael Rosemann: Prozessmanagement – Ein Leitfaden zur prozessorientierten Organisationsgestaltung, Springer, Berlin 7. Auflage 2012, ISBN 978-3-642-33843-4
  3. /Brocke14a/ Jan vom Brocke, Michael Rosemann (Editors): Handbook on Business Process Management 1: Introduction, Methods, and Information Systems, Springer Berlin, 2nd Edition 2014, ISBN 978-3-642-45099-0
  4. /Brocke14b/ Jan vom Brocke, Michael Rosemann (Editors): Handbook on Business Process Management 2: Strategic Alignment, Governance, People and Culture, Springer Berlin, 2nd Edition 2014, ISBN 978-3-642-45102-7
  5. /Fischer13/ Guido Fischermann: Praxishandbuch Prozessmanagement – Das Standardwerk auf Basis des BPM Framework ibo-Prozessfenster, Dr. Götz Schmidt, Wettenberg 11. Auflage 2013, ISBN 978-3-921313-89-3
  6. /Füermann08/ Timo Füermann, Carsten Dammasch: Prozessmanagement. Anleitung zur ständigen Prozessverbesserung, Hanser Wirtschaft, München 3. Auflage 2008, ISBN 978-3-446-41571-3
  7. /Gadatsch12/ Andreas Gadatsch: Grundkurs Geschäftsprozess-Management: Methoden und Werkzeuge für die IT-Praxis: Eine Einführung für Studenten und Praktiker, Vieweg, Wiesbaden 7. Auflage 2012, ISBN 978-3-8348-2427-1
  8. /Gadatsch15/ Andreas Gadatsch: Geschäftsprozesse analysieren und optimieren: Praxistools zur Analyse, Optimierung und Controlling von Arbeitsabläufen, Springer Vieweg, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-09109-5
  9. /Kagermann07/ Henning Kagermann, Hubert Österle: Geschäftsmodelle 2010: Wie CEOs Unternehmen transformieren, Frankfurter Allgemeine Buch Verlag, Frankfurt 2. Auflage 2007, ISBN 978-3-89981-114-8
  10. /Knuppertz15/ Thilo Knuppertz: Prozessmanagement für Dummies, Wiley VCH, Weinheim 2. Auflage 2015, ISBN 978-3-527-71117-8
  11. /Rosen05/ Friedrich Rosenkranz: Geschäftsprozesse – Modell- und computergestützte Planung, Springer, Heidelberg 2. Auflage 2005, ISBN 978-3-540-28343-0
  12. /Schmelzer13/ Hermann J. Schmelzer, Wolfgang Sesselmann: Geschäftsprozessmanagement in der Praxis: Kunden zufrieden stellen – Produktivität steigern – Wert erhöhen, Hanser, München 8. Auflage 2013, ISBN 978-3-446-43460-8
  13. /Wagner15/ Karl Wagner, Gerold Patzak: Performance Excellence – Der Praxisleitfaden zum effektiven Prozessmanagement, Hanser, München 2. Auflage 2015, ISBN 978-3-446-43024-2

A.2.1 Ergänzende Literatur

  1. /Allweyer09/ Thomas Allweyer: BPMN 2.0 – Business Process Model and Notation: Einführung in den Standard für die Geschäftsprozessmodellierung, Books on Demand, Norderstedt 2. Auflage 2009, ISBN 978-3-8391-2134-4
  2. /Freud14/ Jakob Freud, Bernd Rücker: Praxishandbuch BPMN 2.0, Hanser, München, 4. Auflage 2014, ISBN 978-3-446-44255-9
  3. /Binner11/ Hartmut F. Binner: Handbuch der prozessorientierten Arbeitsorganisation. REFA. Methoden und Werkzeuge zur Umsetzung, Hanser, München 4. Auflage 2011, ISBN 978-3-446-42641-2
  4. /Schwab13/ Josef Schwab: Geschäftsprozessmanagement mit Visio, ViFlow und MS Project. Prozessoptimierung als Projekt, Hanser, München 3. Auflage 2013, ISBN 978-3-446-43161-4
  5. /Staud06/ Josef L. Staud: Geschäftsprozessanalyse: Ereignisgesteuerte Prozessketten und objektorientierte Geschäftsprozessmodellierung für Betriebswirtschaftliche Standardsoftware, Springer, Heidelberg 3. Auflage 2006, ISBN 978-3-540-24510-0

A.2.2 Literatur zur Organisationslehre

  1. /Schreyögg15/ Georg Schreyögg, Daniel Geiger: Organisation. Grundlagen moderner Organisationsgestaltung. Mit Fallstudien, Springer Fachmedien, Wiesbaden 6. Auflage 2015, ISBN 978-3-8349-4484-9
  2. /Schulte13/ Manfred Schulte-Zurhausen: Organisation, Vahlen, München 6. Auflage 2013, ISBN 978-3-8006-4689-0
  3. /Schmidt14/ Götz Schmidt: Organisation und Business Analysis – Methoden und Techniken, Dr. Götz Schmidt, Wettenberg 15. Auflage 2014, ISBN 978-3-921313-93-0
  4. /Vahs15/ Dietmar Vahs: Organisation. Einführung in die Organisationstheorie und -praxis, Schäffer-Poeschel, Wiesbaden 9. Auflage 2015, ISBN 978-3-7910-3437-9

A.3 Weblinks

Folgende Links liefern weitere Informationen rund um die Geschäftsprozesse, deren Management und deren Modellierung:

Legende zu den Weblinks
/ / Verweis auf eine Website (generell)
/*/ Verweis auf eine Website, die als Buch-Ergänzung dient
/#/ Verweis auf einzelnes Thema auf einer Website
/#V/ Verweis auf ein Video auf einer Website