EPKs – Ereignisgesteuerte Prozessketten Geschäftsprozesse mit wenigen Notationselementen modellieren 

Manage­ment-Zusam­men­fas­sung die­ses Bei­trags:
Ereig­nis­ge­steu­er­te Pro­zess­ket­ten (EPKs) sind eine Model­lie­rungs­spra­che für → Geschäfts­pro­zes­se. Sie kom­men mit weni­gen Nota­ti­ons­ele­men­ten aus und erfas­sen Daten- und Kon­troll­flüs­se.
Es wer­den in die­sem Bei­trag die Ereig­nis­ge­steu­er­ten Pro­zess­ket­ten und deren Ein­satz beschrieben.

1. Einleitung und Grundlagen

Die ereig­nis­ge­steu­er­ten Pro­zess­ket­ten (EPKs) wur­den Anfang der 90er Jah­re (durch Scheer und ande­re) auf Basis der Petri-Net­ze ent­wi­ckelt. Sie wur­den und wer­den zur gra­fi­schen Dar­stel­lung von Geschäfts­pro­zes­sen genutzt, ins­be­son­de­re im Zusam­men­spiel mit dem ERP-Sys­tem SAP.

Hin­weis:
Der Begriff “Ereig­nis­ge­steu­er­te → Pro­zess­ket­te” (Sin­gu­lar) wird in der Lite­ra­tur sel­ten genutzt, statt­des­sen eher der Plu­ral “Ereig­nis­ge­steu­er­te Pro­zess­ket­ten”. Eigent­lich müss­te das Kür­zel dann EPKn hei­ßen, es wird aber durch­weg das Kür­zel EPKs genutzt.

1.1 Definitionen

In der deut­schen Wiki­pe­dia steht zur Ereig­nis­ge­steu­er­ten Pro­zess­ket­te /#Wiki-Ereignisgesteuerte_Prozesskette/:
“Die Ereig­nis­ge­steu­er­te Pro­zess­ket­te (EPK) ist eine gra­fi­sche Model­lie­rungs­spra­che zur Dar­stel­lung von Geschäfts­pro­zes­sen einer Orga­ni­sa­ti­on bei der Geschäfts­pro­zess­mo­del­lie­rung / Dar­stel­lung der Pro­zess­or­ga­ni­sa­ti­on (Abläu­fe und Arbeits­schrit­te) bei der Unternehmensabbildung.”

Staud schreibt zu den Ereig­nis­ge­steu­er­te Pro­zess­ket­ten /*Staud/:
“Ereig­nis­ge­steu­er­te Pro­zess­ket­ten (EPKs) beschrei­ben Geschäfts­pro­zes­se, ihre Tätig­kei­ten (Funk­tio­nen genannt), die sie steu­ern­den Ereig­nis­se, die Han­deln­den (Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten genannt) und die benutz­ten oder erzeug­ten Infor­ma­tio­nen (Infor­ma­ti­ons­ob­jek­te genannt). Sie beschrei­ben alle mög­li­chen Rea­li­sie­run­gen des Pro­zes­ses mit Hil­fe von Ver­zwei­gun­gen und Zusam­men­füh­run­gen (Ope­ra­to­ren, Kon­nek­to­ren) und geben damit umfas­send den sog. Kon­troll­fluss des Geschäfts­pro­zes­ses an.”

1.2 Notationselemente

Die EPKs bestehen nur aus weni­gen Basis­ele­men­ten / Nota­ti­ons­ele­men­ten (Abbil­dung 1.1), die mit­ein­an­der kom­bi­niert wer­den; die­se Ele­men­te sind in der nach­fol­gen­den Abbil­dung wiedergegeben.

Im Ein­zel­nen:

  • Ein Ereig­nis erfasst einen sich ändern­den → Zustand, der etwas aus­löst / triggert
  • Eine → Funk­ti­on “macht etwas” mit Datei Informationsobjekten
  • Die drei Ver­knüp­fun­gen oder auch Kon­nek­to­ren (UND, ODER und EXOR) erfas­sen den
  • Der Kon­troll­fluss (auch: Kan­te) steu­ert den Ablauf

Ereig­nis­se und Funk­tio­nen wer­den auch als Kno­ten bezeichnet.

Notationselemente für EPKs, (C) Peterjohann Consulting, 2006-2026

Abbil­dung 1.1: Nota­ti­ons­ele­men­te für EPKs

Zen­tral sind bei­den Ele­men­te Ereig­nis und Funk­ti­on. Sie haben fol­gen­de Eigen­schaf­ten (Abbil­dung 1.2):

Die EPK-Elemente Ereignis und Funktion, (C) Peterjohann Consulting, 2006-2026

Abbil­dung 1.2: Die EPK-Ele­men­te “Ereig­nis” und “Funk­ti­on”

1.3 Grundlegende Regeln

Fol­gen­de Regeln soll­ten bei der Erstel­lung und Ver­wen­dung von EPKs beach­tet werden:

  1. Jede EPK beginnt und endet mit min­des­tens je einem Ereig­nis. Eine Aus­nah­me ist der Ver­weis auf eine ande­re EPK
  2. Jede Kan­te ver­bin­det zwei Kno­ten von jeweils unter­schied­li­chem Typ
  3. Der Kon­troll­fluss ver­zweigt und ver­ei­nigt sich nur an Konnektoren
  4. Auf Ereig­nis­se dür­fen kei­nen Oder- oder Ent­we­der-Oder-Kon­nek­to­ren folgen
  5. Alle Ein-/Aus­gän­ge der Kon­nek­to­ren sind vom glei­chen Typ
  6. Kon­nek­to­ren ver­bin­den stets Ereig­nis­se mit Funk­tio­nen bzw. Funk­tio­nen mit Ereignissen
  7. Eine EPK kann durch eine wei­te­re EPK ver­fei­nert oder ergänzt werden

Damit besteht eine mini­ma­le EPK aus 2 Ereig­nis­sen, 2 Kon­troll­flüs­sen und 1 Funk­ti­on (Abbil­dung 1.3).

Die EPK-Minimalsequenz, (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 1.3: Die EPK-Minimalsequenz

2. Beispiele

Mit den Basis­ele­men­ten kön­nen bereits (ein­fa­che) Geschäfts­pro­zes­se dar­ge­stellt wer­den. Nach­fol­gen­des Bei­spiel zeigt eine ein­fa­che EPK (Abbil­dung 2.1) für einen Bestell­pro­zess. Es wird auf­grund des Start­ereig­nis­ses “Bestel­lung not­wen­dig” die Funk­ti­on “Ange­bo­te ein­ho­len” getrig­gert. Sind die “Ange­bo­te ein­ge­trof­fen” (Ereig­nis) wird die “Bestel­lung ver­an­lasst” (Funk­ti­on). Die EPK endet mit den Ereig­nis “Bestel­lung erfolgt.”

Beispiel einer EPK - Bestellung, (C) Peterjohann Consulting, 2006-2026

Abbil­dung 2.1: Bei­spiel einer EPK – Bestellung

In Abbil­dung 2.2 ist ein wei­te­res Bei­spiel zu sehen. Dabei wird eine ver­ti­ka­le Anord­nung ver­wen­det und ein Und-Kon­nek­tor eingesetzt.

Beispiel einer EPK - Antragstellung, (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 2.2: Bei­spiel einer EPK – Antragstellung

3. eEPKs – Die erweiterten Ereignisgesteuerten Prozessketten

Bei den erwei­ter­ten Ereig­nis­ge­steu­er­ten Pro­zess­ket­ten wer­den zusätz­li­che Nota­ti­ons­ele­men­te ver­wen­det. Dies sind (Abbil­dung 3.1):

  • Die Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit, die den Teil einer Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur benennt, der invol­viert ist
  • Das Infor­ma­ti­ons­ob­jekt, wel­ches Daten die zur Durch­füh­rung benö­tigt wer­den, bereitstellt
  • Der Pro­zess­pfad, der eine Ver­bin­dung zu einem ande­ren Pro­zess herstellt
Notationselemente für eEPKs, (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 3.1: Nota­ti­ons­ele­men­te für eEPKs

4. Häufig gestellte Fragen und Antworten (FAQ) zu den Ereignisgesteuerten Prozessketten

Eini­ge Fra­gen zu den Ereig­nis­ge­steu­er­ten Pro­zess­ket­ten wer­den häu­fig gestellt – die­se wer­den hier wiedergegeben.

  • F: Ist eine Schu­lung zu den Ereig­nis­ge­steu­er­ten Pro­zess­ket­ten emp­feh­lens­wert?
    A: Ja, wenn Sie Ereig­nis­ge­steu­er­ten Pro­zess­ket­ten in Ihrem Unter­neh­men / in Ihrer Orga­ni­sa­ti­on ver­an­kern wollen.
  • F: Ist bei der EPK eine Anord­nung (hori­zon­tal, ver­ti­kal) vor­ge­schrie­ben?
    A: Nein. In der Pra­xis hat sich jedoch ver­ti­ka­le Anord­nung als Qua­si-→ Stan­dard durch­ge­setzt, die EPKs wer­den von oben nach unten model­liert. Der Vor­teil bei die­ser Vari­an­te: Die EPKs las­sen sich auf Bild­schir­men und in Doku­men­ten bes­ser scrollen.
  • F: Sind Ereig­nis­ge­steu­er­ten Pro­zess­ket­ten noch zeit­ge­mäß?
    A: Eher nein. Statt der Ereig­nis­ge­steu­er­ten Pro­zess­ket­ten wird heu­te die BPMN (Busi­ness Pro­cess Model and Nota­ti­on) zur Model­lie­rung von Geschäfts­pro­zes­sen ein­ge­setzt. Aller­dings soll­ten die Ereig­nis­ge­steu­er­ten Pro­zess­ket­ten noch von Pro­zess­be­ar­bei­tern gele­sen wer­den kön­nen, da es eine gro­ße Anzahl von bereits erfass­ten Pro­zes­sen mit EPKs gibt.

Haben Sie noch wei­te­re Fra­gen oder möch­ten Sie Ergän­zun­gen an der FAQ vor­neh­men? Am bes­ten schrei­ben Sie mir hier­zu eine E‑Mail an: kontakt@peterjohann-consulting.de.

A. Präsentationen, Literatur und Weblinks

A.1 Meine öffentliche Präsentation zum Prozessmanagement

Ereig­nis­ge­steu­er­te Pro­zess­ket­ten sind in mei­ner Prä­sen­ta­ti­on zum → Pro­zess­ma­nage­ment kurz beschrieben.

Inhalt Typ
Pro­zess­ma­nage­ment – Eine Ein­füh­rung (BPM-Basis­prä­sen­ta­ti­on)
pdf

A.2 Literatur

  • /Gadatsch25/ Andre­as Gadatsch: Grund­kurs Geschäfts­pro­zess-Manage­ment. Ana­ly­se, Model­lie­rung, Opti­mie­rung und Con­trol­ling von Pro­zes­sen, Sprin­ger Fach­me­di­en, Wies­ba­den 11. Auf­la­ge 2023, ISBN 978–3‑658–48273‑2
  • /Schulte13/ Man­fred Schul­te-Zur­hau­sen: Orga­ni­sa­ti­on, Vah­len, Mün­chen 6. Auf­la­ge 2013, ISBN 978–3‑8006–4689‑0
  • /Staud06/ Josef L. Staud: Geschäfts­pro­zess­ana­ly­se: Ereig­nis­ge­steu­er­te Pro­zess­ket­ten und objekt­ori­en­tier­te Geschäfts­pro­zess­mo­del­lie­rung für Betriebs­wirt­schaft­li­che Stan­dard­soft­ware, Sprin­ger, Hei­del­berg 3. Auf­la­ge 2006, ISBN 978–3‑540–24510‑0
  • /Staud25/ Josef L. Staud: Ereig­nis­ge­steu­er­te Pro­zess­ket­ten. Das Werk­zeug für die Model­lie­rung von Geschäfts­pro­zes­sen, tre­di­ti­on, Ahrens­burg 2. Auf­la­ge 2025, ISBN 978–3‑384–63391‑0

Legen­de zu den Weblinks
/ / Ver­weis auf eine Web­site (all­ge­mein)
/*/ Ver­weis auf eine Web­site, die als Ergän­zung zu einem Buch dient
/#/ Ver­weis auf ein ein­zel­nes The­ma auf einer Website
/#V/ Ver­weis auf ein Video auf einer Website