Normen und Standards im Projektmanagement Vorgaben für die Vereinheitlichung von Projekten 

Manage­ment-Zusam­men­fas­sung zu die­sem Bei­trag:
Das → Pro­jekt­ma­nage­ment als Dis­zi­plin greift auf ver­schie­de­ne Nor­men und Stan­dards zurück.
Die­se wer­den hier zusam­men mit ihren Ein­satz­mög­lich­kei­ten beschrieben.

Die Nor­men und Stan­dards im Pro­jekt­ma­nage­ment gel­ten für alle Pro­jek­te. Die all­ge­mei­ne Beschrei­bung zum Pro­jekt­ma­nage­ment fin­det sich
hier

1. Einleitung und Grundlagen

Über Nor­men und Stan­dards kann das Vor­ge­hen in Pro­jek­ten bestimmt wer­den. Der Nut­zen der Ver­wen­dung von Nor­men und Stan­dards besteht dar­in, dass Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­räu­me ver­rin­gert und damit Feh­ler in der Abwick­lung von Pro­jek­ten ver­mie­den werden.

Der Zusam­men­hang von Nor­men und Stan­dards (im Pro­jekt­ma­nage­ment), den (Fach-)Verbänden und den Zer­ti­fi­ka­ten ist in Abbil­dung 1.1 dar­ge­stellt. Die Ver­bän­de oder Orga­ni­sa­tio­nen defi­nie­ren die Nor­men und Stan­dards. Die­se wie­der­um defi­nie­ren in der Regel Pro­zes­se sowie → Werk­zeu­ge und Metho­den.

Normen, Verbände und Zertifikate: Zusammenhang, (C) Peterjohann Consulting, 2016-2021

Abbil­dung 1.1: Nor­men, Ver­bän­de und Zer­ti­fi­ka­te im Pro­jekt­ma­nage­ment: Zusammenhang

Die Nor­men und Stan­dards, die Bezug zum Pro­jekt­ma­nage­ment haben, las­sen sich in vier Klas­sen unter­tei­len (Abbil­dung 1.2):

  • Die Nor­men, die sich aus­schließ­lich mit dem Pro­jekt­ma­nage­ment beschäf­ti­gen, hier sind die DIN-Nor­men­rei­he 69990 ff. und die ISO 21500 zu nennen
  • Die Nor­men, die zur Ermitt­lung eines Rei­fe­grads die­nen und daher Vor­ga­ben für den Ein­satz des Pro­jekt­ma­nage­ment machen; hier­zu zäh­len das CMMI und ASPICE
  • Die Nor­men, die das Pro­jekt­ma­nage­ment als Teil­dis­zi­plin betrach­ten und damit zum Teil das Pro­jekt­ma­nage­ment mit defi­nie­ren; ein typi­scher Ver­tre­ter ist hier die ISO 10006
  • Die Nor­men, die eigen­stän­di­ge Dis­zi­pli­nen dar­stel­len, aber für das Pro­jekt­ma­nage­ment rele­vant sind, wie bei­spiels­wei­se die Nor­men­rei­he ISO 9000 und die ISO 31000
Normenklassen im Projektmanagement, (C) Peterjohann Consulting, 2019-2021

Abbil­dung 1.2: Nor­men­klas­sen im Projektmanagement

Die hier auf­ge­führ­ten Nor­men (oder Stan­dards) sind:

  • DIN 69900 ff.: 69000: “Pro­jekt­ma­nage­ment – Netz­plan­tech­nik; Beschrei­bun­gen und Begrif­fe”; 69901: “Pro­jekt­ma­nage­ment – Pro­jekt­ma­nage­ment­sys­te­me – Teil 1: Grund­la­gen”, “Pro­jekt­ma­nage­ment – Pro­jekt­ma­nage­ment­sys­te­me – Teil 2: Pro­zes­se, Pro­zess­mo­dell”, “Pro­jekt­ma­nage­ment – Pro­jekt­ma­nage­ment­sys­te­me – Teil 3: Metho­den”, “Pro­jekt­ma­nage­ment – Pro­jekt­ma­nage­ment­sys­te­me – Teil 4: Daten, Daten­mo­dell”, “Pro­jekt­ma­nage­ment – Pro­jekt­ma­nage­ment­sys­te­me – Teil 5: Begriffe”
  • ISO 21500: “Gui­d­ance on pro­ject manage­ment” (deutsch: “Leit­li­ni­en Projektmanagement”)
  • CMMI: “Capa­bi­li­ty Matu­ri­ty Model Integration””
  • SPICE (ISO 15504): “Infor­ma­ti­on tech­no­lo­gy – Pro­cess assessment”
  • ISO 10006: Qua­li­ty manage­ment – Gui­de­li­nes for qua­li­ty manage­ment in pro­jects (deutsch: “Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­te­me; Leit­fa­den für → Qua­li­täts­ma­nage­ment in Projekten”)
  • ISO 9000 ff.: “Qua­li­ty manage­ment sys­tems – Fun­da­men­tals and voca­bu­la­ry” (deutsch: “Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­te­me – Grund­la­gen und Begriffe”)
  • ISO 31000: “Risk manage­ment – Gui­de­li­nes” (deutsch: “→ Risi­ko­ma­nage­ment – Leitlinien”)

Für das Pro­jekt­ma­nage­ment gibt es nur weni­ge Nor­men, die sich aus­schließ­lich mit dem Pro­jekt­ma­nage­ment beschäf­ti­gen. Die vier gän­gigs­ten Nor­men sind ab 2009 ver­öf­fent­licht oder aktua­li­siert wor­den. Dies sind:

  • Die ISO 21500 ist im Jahr 2012 erst­mals erschie­nen und ist die ein­zi­ge inter­na­tio­na­le Norm, die sich direkt mit dem Pro­jekt­ma­nage­ment aus­ein­an­der­setzt. Her­aus­ge­ber ist die ISO, jedoch haben an der Erstel­lung die gro­ßen PM-Fach­ver­bän­de wie → PMI und IPMA maß­geb­lich mit­ge­wirkt. Die ISO 21500 wird als “Umbrel­la-Stan­dard” bezeich­net, d.h. dass sie als Rah­men für wei­te­re Nor­men die­nen kann
  • Die DIN 69901 ist die deut­sche Norm zum Pro­jekt­ma­nage­ment. Sie lös­te 2009 die Vor­gän­ger-Fas­sun­gen aus den 80er-Jah­ren ab. Die → GPM (Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment) ver­wen­det die­se Norm als eine Grund­la­ge für ihre Fach­bü­cher, Schu­lun­gen und → Zer­ti­fi­zie­run­gen
  • Der ANSI-Stan­dard 99–001-2017 ist ein Teil des PMBOK Gui­des /PBG17/ des PMI (Pro­ject Manage­ment Insti­tu­te), des welt­weit größ­ten Fach­ver­bands zum Pro­jekt­ma­nage­ment. Auf­grund der ANSI-Vor­ga­ben muss der PMBOK Gui­de alle vier Jah­re über­prüft und aktua­li­siert wer­den. Die letz­te, sechs­te Fas­sung stammt aus dem Jahr 2017 (die Ver­sio­nen davor sind 2012, 2008 und 2004 erschienen)
  • PRINCE2:2017 ist ein Pro­jekt­ma­nage­ment-Ansatz, der eine Vor­ge­hens­wei­se für Pro­jek­te kom­plett beschreibt. Jedoch ist PRINCE2:2017 kei­ne Norm, wird hier aber auf­grund sei­ner gro­ßen Ver­brei­tung mit aufgeführt
Die Normen zum Projektmanagement: Allgemeine Übersicht, (C) Peterjohann Consulting, 2020-2021

Abbil­dung 1.3: Die Nor­men zum Pro­jekt­ma­nage­ment: All­ge­mei­ne Übersicht

Die Gemein­sam­kei­ten der Normen:

  • → Glos­sa­re sind in allen Nor­men enthalten
  • Doku­men­te spie­len nur eine Neben­rol­le (außer bei PRINCE2:2017), sind ent­spre­chend auch nicht ver­bind­lich vordefiniert
  • Alle drei Nor­men (PRINCE2:2017 wird hier nicht betrach­tet) ver­wen­den (inzwi­schen) eine Pha­sen- und Pro­zess­dar­stel­lung zur Beschrei­bung und Erfas­sung aller Pro­jekt­ma­nage­ment­ak­ti­vi­tä­ten und ‑vor­gän­ge. Hier­zu wird das PM in Pro­zess­grup­pen (wie Pla­nung, Aus­füh­rung, Ende) und The­men­grup­pen (wie Umfangs‑, Kos­ten- und Ter­min­ma­nage­ment oder Risi­ko­ma­nage­ment) unter­teilt, denen ein­zel­ne Pro­zes­se zuge­ord­net werden
  • Die Pro­zes­se wer­den in der Form “Input – Werk­zeu­ge & Metho­den – Out­put” beschrieben

Anmer­kung:

  • Gene­rell müss­te zwi­schen von Nor­men und Stan­dards “im” / “zum” / “für das” Pro­jekt­ma­nage­ment unter­schie­den werden

2. Prozesse in den Normen

Die Dar­stel­lung von Pro­zes­sen spie­len in den Nor­men und Stan­dards eine wesent­li­che Rol­le. In Abbil­dung 2.1 sind die Pro­zes­se in den ein­zel­nen Nor­men gegen­über­ge­stellt. Bei allen vier Nor­men vari­iert die Anzahl der Pro­zes­se von etwa 40 bis 60. Auch die Ein­tei­lung der Pro­zes­se in Pro­zess­grup­pen und The­men­grup­pen ist ähnlich.

Die Normen zum Projektmanagement: Gegenüberstellung der Prozesse, (C) Peterjohann Consulting, 2020-2021

Abbil­dung 2.1: Die Nor­men zum Pro­jekt­ma­nage­ment: Gegen­über­stel­lung der Prozesse

Die Nor­men ver­wen­den ähn­li­che Dar­stel­lun­gen zur Visua­li­sie­rung der Pro­jekt­ma­nage­ment­ak­ti­vi­tä­ten und ‑vor­gän­ge: Es wer­den dazu Pro­zess­grup­pen in einer Rei­he hori­zon­tal auf­ge­tra­gen und die The­men­grup­pen in einer ver­ti­ka­len Rei­he. Die ein­zel­nen Pro­zes­se wer­den dann jeweils einer Pro­zess­grup­pe und einer The­men­grup­pe zuge­ord­net. Die Pro­zes­se wer­den inner­halb ein The­men­grupp­pe von links nach rechts durchnummeriert.

Die Darstellung von Prozessen und Themen im Projektmanagement, (C) Peterjohann Consulting, 2020-2021

Abbil­dung 2.2: Die Dar­stel­lung von Pro­zes­sen und The­men im Projektmanagement

Die Bezeich­nun­gen der Pro­zess­ge­bie­te und der The­men­ge­bie­te in den ein­zel­nen Nor­men ähneln sich. Eben­so ist die Anzahl sehr ähn­lich. Hier in der Tabel­le ist die Anzahl der Pro­zes­se in Klam­mern angegeben.

Die Prozessgruppen und Themengruppen in den Normen zum Projektmanagemente, (C) Peterjohann Consulting, 2020-2021

Abbil­dung 2.3: Die Pro­zess­grup­pen und The­men­grup­pen in den Nor­men zum Projektmanagement

Durch das Anein­an­der­rei­hen ein­zel­ner Pro­zes­se ergibt sich dann eine Pro­zess­dar­stel­lung, die eine Rei­hen­fol­ge fest­legt. In der ISO 21500 und in der DIN 69901 sind Pro­zes­se für die jewei­li­gen Pro­zess­grup­pen vor­ge­ge­ben, beim PMBOK Gui­de jedoch nicht (expli­zit). Gemein­sam ist wie­der­um, dass nicht alle Pro­zes­se in jedem Pro­jekt durch­lau­fen wer­den müs­sen, son­dern auch weg­ge­las­sen wer­den kön­nen. Ver­bind­li­che Pro­zes­se, d.h. Pro­zes­se, die unbe­dingt berück­sich­tigt wer­den müs­sen, wer­den in der DIN 69901 benannt.

Im nach­fol­gen­den Bei­spiel ist die Pro­zess­grup­pe (der Pro­zess) Initia­ting aus der ISO 21500 mit sei­nen drei Pro­zes­sen wie­der­ge­ge­ben. Es wird eine Swim­la­ne-Dar­stel­lung herangezogen. 

Die Prozessdarstellung im Projektmanagement nach ISO 21500, (C) Peterjohann Consulting, 2015-2021

Abbil­dung 2.4: Die Pro­zess­dar­stel­lung im Pro­jekt­ma­nage­ment; hier: Initia­ting nach ISO 21500

3. Die Personen-Zertifizierungen zum Projektmanagement

Zum Pro­jekt­ma­nage­ment gibt es eine Rei­he von Mög­lich­kei­ten zur Per­so­nen-Zer­ti­fi­zie­rung. Eine Über­sicht gibt es
hier auf der eige­nen Webseite.

A. Präsentationen, Literatur und Weblinks

A.1 Meine Präsentationen und Veröffentlichungen

Mei­ne fol­gen­den Aus­ar­bei­tun­gen bezie­hen sich auf die Nor­men und Stan­dards im Projektmanagement.

InhaltTyp
Pro­jekt­ma­nage­ment – Eine Ein­füh­rung (PM-Basis­prä­sen­ta­ti­on)

pdf

Pro­jekt­ma­nage­ment: Zer­ti­fi­zie­run­gen & Nor­men – Eine Übersicht

pdf

Pro­jekt­ma­nage­ment: Die Literatur(liste)

pdf

A.2 Literatur

In die­ser → Lis­te sind Wer­ke mit star­kem Bezug zu den Nor­men und Stan­dards im Pro­jekt­ma­nage­ment auf­ge­führt. In /DIN16, DIN20/ ist neben der Nor­men­rei­he 69900 ff. auch die Norm ISO 21500 (auf deutsch) enthalten.

  1. /AXELOS17/ AXELOS: Mana­ging Suc­cess­ful Pro­jects with PRINCE2. Edi­ti­on 2017, TSO – The Sta­tio­ne­ry Office, Nor­wich, Gre­at Bri­tain 6th Edi­ti­on 2017, ISBN 978–0‑11–331533‑8
  2. /AXELOS18/ AXELOS: Erfolg­rei­che Pro­jek­te mana­gen mit PRINCE2. Deut­sche Über­set­zung von /AXELOS17/, TSO – The Sta­tio­ne­ry Office, Nor­wich, Gre­at Bri­tain 2018, ISBN 978–0‑11- 331550–5
  3. /DIN16/ DIN: Pro­jekt­ma­nage­ment. Netz­plan­tech­nik und Pro­jekt­ma­nage­ment­sys­te­me. DIN-Taschen­buch 472, Beuth, Ber­lin 3. Auf­la­ge 2016, ISBN 978–3‑410–27041‑6
  4. /DIN20/ DIN: Pro­jekt­ma­nage­ment. Netz­plan­tech­nik und Pro­jekt­ma­nage­ment­sys­te­me. DIN-Taschen­buch 472, Beuth, Ber­lin 4. Auf­la­ge 2020, ISBN 978–3‑410–30000‑7
  5. /GPM16/ GPM, Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment: Kom­pe­tenz­ba­sier­tes Pro­jekt­ma­nage­ment (PM3), GPM, Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment, Nürn­berg, 8. Auf­la­ge 2016, ISBN 978–3‑924841–74‑4
  6. /GPM19/ Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment: Kom­pe­tenz­ba­sier­tes Pro­jekt­ma­nage­ment (PM4), GPM, Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment, Nürn­berg 2019, ISBN 978–3‑924841–77‑5
  7. /PBG17/ Pro­ject Manage­ment Insti­tu­te: A Gui­de to the Pro­ject Manage­ment Body of Know­ledge (PMBOK Gui­de), Pro­ject Manage­ment Insti­tu­te, Phil­adel­phia, Penn­syl­va­nia Sixth Edi­ti­on 2017, ISBN 978–1‑62825–184‑5
  8. /PBG17‑d/ Pro­ject Manage­ment Insti­tu­te: A Gui­de to the Pro­ject Manage­ment Body of Know­ledge (PMBOK Gui­de), Pro­ject Manage­ment Insti­tu­te, Phil­adel­phia, Penn­syl­va­nia Sechs­te Aus­ga­be 2017, ISBN 978–1‑62825–188‑3

A.3 Weblinks

Nach­fol­gen­de Web­links kön­nen für die Nor­men und Stan­dards im Pro­jekt­ma­nage­ment hilf­reich sein.

  • /GPM/ GPM – Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment: Web­site (deutsch)
  • /ISO/ ISO – Inter­na­tio­nal Orga­niz­a­ti­on for Stan­dar­di­z­a­ti­on: Web­site (eng­lisch)
  • /PMI/ PMI – Pro­ject Manage­ment Insti­tu­te: Web­site (eng­lisch)

Legen­de zu den Weblinks
/ / Ver­weis auf eine Web­site (gene­rell)
/*/ Ver­weis auf eine Web­site, die als Buch-Ergän­zung dient
/#/ Ver­weis auf ein­zel­nes The­ma auf einer Website
/#V/ Ver­weis auf ein Video auf einer Website 

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