Vertrauen oder Zutrauen? Was ist der Unterschied?

Manage­ment-Zusam­men­fas­sung die­ses Bei­trags:
Die Begrif­fe Ver­trau­en und Zutrau­en kom­men bei der Beschrei­bung des Umgangs mit Men­schen und Mit­ar­bei­tern in Orga­ni­sa­tio­nen zum Ein­satz.
In die­sem Bei­trag wird eine Beschrei­bung der bei­den Begrif­fe geliefert.

Die bei­den Begrif­fe kön­nen fol­gen­der­ma­ßen cha­rak­te­ri­siert werden:

  • Ver­trau­en (eng­lisch: Trust): “Über­zeu­gung, dass man sich auf eine ande­re Per­son, Sache oder Hand­lung ver­las­sen kann”
  • Zutrau­en (eng­lisch: Con­fi­dence): “Ein­stel­lung, sich auf jemand oder etwas ver­las­sen zu können”

Die Begrif­fe Ver­trau­en und Zutrau­en sind in vie­len Dis­zi­pli­nen zu fin­den. In die­sem Bei­trag wer­den sie der Orga­ni­sa­ti­ons­leh­re und der all­ge­mei­nen Manage­ment­leh­re zugeordnet.

In der Wiki­pe­dia steht zum Begriff Ver­trau­en /#Wiki-Vertrauen/:
“Ver­trau­en bezeich­net eine bestimm­te Art von sub­jek­ti­ver, auch emo­tio­nal gefärb­ter, Über­zeu­gung, nach der man sein Ver­hal­ten ein­rich­tet. Es kommt in ver­schie­de­nen Aus­rich­tun­gen vor, je nach­dem, was der unmit­tel­ba­re Gegen­stand des Ver­trau­ens ist.”

Das deut­sche Wik­tio­na­ry defi­niert Ver­trau­en fol­gen­der­ma­ßen /#Wiktionary-Vertrauen/:
“Über­zeu­gung von der → Rich­tig­keit bezie­hungs­wei­se Wahr­heit einer Hand­lung oder eines ande­ren Men­schen, die in der Regel ein gegen­sei­ti­ges Ver­hält­nis der Zuver­läs­sig­keit bedingt”

Das deut­sche Wik­tio­na­ry defi­niert Zutrau­en fol­gen­der­ma­ßen /#Wiktionary-Zutrauen/:
“Ein­stel­lung, sich auf jemand oder etwas ver­las­sen zu können”.

Hin­weis:
Die Begrif­fe Ver­trau­en und Zutrau­en sind in der Lite­ra­tur und im Gebrauch nicht immer ein­deu­tig defi­niert. → Wich­tig ist jedoch: Ver­trau­en basiert auf (sub­jek­ti­ven) Über­zeu­gun­gen und Gefüh­len — daher kann Ver­trau­en auch täu­schen. Zutrau­en fußt auf bereits erbrach­ten Leistungen.

Spruch:
“Ver­trau­en ist ein Vor­schuss ohne Garan­tien, Zutrau­en ist eine daten­ba­sier­te Erwartung.”

Die Unter­schie­de von Ver­trau­en und Zutrau­en sind in Abbil­dung 1 wiedergegeben.

Vertrauen oder Zutrauen?, (C) Peterjohann Consulting, 2021-2026

Abbil­dung 1: Ver­trau­en oder Zutrauen?

Luh­mann schreibt zum Ver­trau­en /Luhmann14/:
“Ver­trau­en kein mora­li­sches Gefühl, son­dern ein sozio­lo­gi­scher Mecha­nis­mus zur Reduk­ti­on sozia­ler → Kom­ple­xi­tät.”

Malik schreibt zum Ver­trau­en und Zutrau­en /Malik17/:
“Das Wort “Ver­trau­en” als sol­ches ist nicht “gefähr­lich”. Es ist aber mit drei Gefah­ren ver­bun­den. Die ers­te ist, dass man die Bedeu­tung von Ver­trau­en über­sieht, weil man auf → Moti­va­ti­on fixiert ist. Die zwei­te ist, dass man aus Ver­trau­en ein emo­tio­na­les oder gar psy­cho­lo­gi­sches → Pro­blem macht. Und die drit­te ist die Ver­wechs­lung von “Ver­trau­en” und “Zutrau­en”.”

Covey /Covey22/ wird der Satz “Nichts wirkt schnel­ler als Ver­trau­en” zuge­ord­net. Dies bedeu­tet für Orga­ni­sa­tio­nen, dass mit ver­trau­ens­vol­ler Zusam­men­ar­beit eine schnel­le Umset­zung von Auf­ga­ben mög­lich ist.

Eine wei­te­re zen­tra­le Aus­sa­ge für die Orga­ni­sa­ti­ons­leh­re lau­tet /Luhmann14/:
“Sys­te­mi­sche Ver­läss­lich­keit schlägt mora­li­sche Appel­le: Wer Ver­läss­lich­keit struk­tu­rell erzeugt, braucht den Appell an Ver­trau­en gar nicht mehr.” Dies bedeu­tet, dass bei eta­blier­ten Struk­tu­ren der Ver­weis auf Ver­trau­en nicht not­wen­dig ist, da man sich bereits auf die Struk­tu­ren ver­las­sen kann.

Hin­weis:
Im agi­lem Kon­text spielt Ver­trau­en eine zen­tra­le Rol­le, da die Struk­tu­ren bewusst nicht stark aus­ge­prägt sind und sich so Mög­lich­kei­ten der → Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on und Selbst­ent­wick­lung erge­ben. Daher muss Ver­läss­lich­keit durch Ver­trau­en erzeigt werden.

Lite­ra­tur

  • /Covey22/ Ste­phen M. R. Covey, Rebec­ca R. Mer­rill: Schnel­lig­keit durch Ver­trau­en. Akti­ons­plan: In 13 Schrit­ten zu mehr Ver­trau­en, bes­se­ren Bezie­hun­gen und höhe­ren Gewin­nen, Gabal, Offen­bach 8. Auf­la­ge 2022, ISBN 978–3‑96739–111‑4
  • /Luhmann14/ Niklas Luh­man: Ver­trau­en. Ein Mecha­nis­mus der Reduk­ti­on sozia­ler Kom­ple­xi­tät, UTB, Stutt­gart 5. Auf­la­ge 2014, ISBN 978–3‑8252–4004‑2
  • /Malik17/ Fred­mund Malik: Gefähr­li­che Manage­m­ent­wör­ter, Cam­pus, Frank­furt, 2. Auf­la­ge 2017, ISBN 978–3‑593–50540‑4

Web­links

  • /#Wiki-Vertrauen/ Ver­trau­en in der deut­schen Wikipedia
  • /#Wiktionary-Vertrauen/ Ver­trau­en in dem deut­schen Wiktionary
  • /#Wiktionary-Zutrauen/ Zutrau­en in dem deut­schen Wiktionary

Legen­de zu den Weblinks
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