Management-Zusammenfassung dieses Beitrags:
Das Lieferantenmanagement dient dem systematischen Umgang mit Lieferanten im gewerblichen Umfeld.
In diesem Beitrag wird das Lieferantenmanagement beschrieben.
1. Einleitung und Grundlagen
1.1 Definitionen
In der Wikipedia steht zum Lieferantenmanagement /#Wiki-Lieferantenmanagement/:
„Von Lieferantenmanagement kann gesprochen werden, wenn ein Unternehmen die Beziehungen zu den Lieferanten → systematisch steuert.
(..)
Lieferantenmanagement umfasst im Wesentlichen die folgenden Bereiche:
- die Bewertung und Auswahl der Zulieferer (Lieferantenbewertung)
- die Entwicklung des Leistungsniveaus der Lieferanten
- die → Entscheidung, auf welcher Stufe der → Lieferant in die Wertschöpfungskette einbezogen werden soll.“
1.2 Das Lieferantenmanagement mit seinen Teilbereichen
Das Lieferantenmanagement kann in Teilbereiche untergliedert werden. In diesem Beitrag werden die drei Teilbereiche …
- Lieferantenbewertung
- Lieferantenauswahl
- Lieferantenkommunikation und ‑einschätzung
genutzt und in den nachfolgenden drei Kapiteln beschrieben.

Abbildung 1.1: Das Lieferantenmanagement mit seinen Teilbereichen
Das Lieferantenmanagement ist — wie viele andere Managementbereiche auch — ein fortwährender Prozess. Dies bedeutet insbesondere, dass die drei Teilbereiche Lieferantenbewertung, Lieferantenauswahl und Lieferantenkommunikation kontinuierlich wiederholt werden müssen (Abbildung 1.2).

Abbildung 1.2: Das Lieferantenmanagement mit seinen Teilbereichen als kontinuierlicher Prozess
2. Die Lieferantenbewertung
Um geeignete Lieferanten für die eigene Organisation auswählen zu können, sollte regelmäßig eine Lieferantenbewertung erfolgen, die dann (später) zur Lieferantenauswahl herangezogen werden kann. Hierzu können Standardbewertungsverfahren genutzt werden und eigene Bewertungskataloge zum Einsatz kommen.
Typische Kriterien / Merkmale zur Bewertungswertung sind:
- Technologie
- → Qualität
- Preiswürdigkeit (Preis-Leistungs-Verhältnis)
- Angebotstransparenz
- Lieferqualität
- Flexibilität bei Termin- oder Inhaltsabweichungen
- Liefertreue (bei vergangenen Aufträgen)
- …
Anhand dieser Kriterien können die Lieferanten dann in A‑, B- und C‑Lieferanten unterteilt werden.
In Abbildung 2.1 ist beispielhaft die Punkte-Bewertung eines Lieferanten dargestellt. Anhand von fünf Kriterien ergibt sich eine Punktzahl von 72, wobei maximal 100 Punkte möglich sind. Die Einordnung dieser Punktzahl erfolgt, indem andere Lieferanten nach dem gleichen Schema bewertet werden.

Abbildung 2.1: Lieferantenbewertung mit Punkteschema: Einfaches Beispiel
In Abbildung 2.2 ist beispielhaft eine skalenbasierte Lieferantenbewertung dargestellt. Es werden 7 Bewertungsstufen, von ‑3 bis 3, genutzt, um die Bewertungskriterien zu quantifizieren. Es können dann in einem Diagramm mehrere Lieferanten gegenübergestellt werden.

Abbildung 2.2: Lieferantenbewertung mit Skalenschema: Einfaches Beispiel
3. Die Lieferantenauswahl
Hat eine Lieferantenbewertung stattgefunden, so kann aus dem positiv bewerteten Lieferanten(pool) ein Lieferant ausgesucht / ausgewählt werden (Abbildung 3.1). In der Regel sollten keine Nachbetrachtungen mehr dafür notwendig sein, um zu überprüfen, ob der Lieferant geeignet ist – es sollte lediglich angefragt werden, ob und zu welchem Preis die gewünschten Produkte oder → Dienstleistungen geliefert werden können.

Abbildung 3.1: Die Lieferantenauswahl (Kurzdarstellung)
Sind die zu beschaffenden Produkte oder Dienstleistungen keine “Standardwaren” (was beispielsweise in Projekten häufiger der Fall ist), so wird der Anfrageprozess mit den potenziellen Lieferanten gestartet und erst nach Eingang der Lieferantenangebote und mit Beendigung der Lieferantenverhandlungen mit der Lieferantenauswahl abgeschlossen (Abbildung 3.2). In einem ersten Schritt werden aus dem Lieferantenpool / Lieferantenkatalog diejenigen Lieferanten herausgesucht, die potenziell in der Lage sind, die gewünschten Produkte oder Dienstleistungen zu liefern. Bei diesen wird “angefragt” – dabei wird zwischen drei Anfrageformen unterschieden (Abbildung 3.2):
- Der Informationsanfrage (englisch: RFI — Request for Informationen)
- Der Angebotsanfrage (englisch: RFQ — Request for Quotation)
- Der Angebotsaufforderung (englisch: RFP — Request for Proposal)

Abbildung 3.2: Die Lieferantenauswahl
Für die Anfragen ist es → wichtig, Ausschreibungsunterlagen an die potenziellen Lieferanten mitzuliefern. Ja nach Anfrageform müssen unterschiedliche, aber passende Unterlagen mitgeliefert werden. Wesentlich ist die “rechtliche → Verbindlichkeit”: Gibt der Lieferant bei der Angebotsaufforderung ein Angebot ab, so ist dies rechtlich verbindlich. In Abbildung 3.3 sind die drei Anfrageformen nochmals gegenübergestellt.

Abbildung 3.3: Die Anfrageformen — Tabelle
In Abbildung 3.4 ist eine (mögliche) zeitliche Abfolge von der Bedarfsanalyse bis zum Vertragsabschluss wiedergegeben. → Dauer und → Aufwände können stark variieren, vor allem wenn viele Lieferantentreffen und ‑workshops notwendig sind.

Abbildung 3.4: → Beschaffung in Projekten: Der Anfrageprozess
4. Die Lieferantenbeziehungen
Die Lieferantenbeziehungen sollten regelmäßig überprüft und gepflegt werden. Dabei können verschiedene Strategien verwendet werden, die aus der → Auftraggeber- und Lieferantenstärke resultieren (Abbildung 4.1).

Abbildung 4.1: Strategische Grundausrichtung zwischen Auftraggeber und Lieferant /Arnolds22/
Bei der Lieferantenbeziehung sollte beachtet werden, wie intensiv diese gestaltet werden soll. Generell sollte dabei die Kompetenz des Lieferanten, bezogen auf die eigene Organisation oder das eigene Produkt beachtet werden: Je höher die Lieferantenkompetenz, umso höher kann die Beziehungsintensität ausfallen (Abbildung 4.2).

Abbildung 4.2: Beziehungsintensität und Kompetenz im Lieferantenmanagement /Pfeifer21/
5. Weitere Aspekte des Lieferantenmanagements
Hier werden einige Aspekte des Lieferantenmanagements beleuchtet, die in einigen Kontexten relevant sein können.
5.1 Die Einordnung des Lieferantenmanagements in Projekten
In Projekten kann das Lieferantenmanagement als ein Teilgebiet des Beschaffungsmanagements gesehen werden, welches neben dem Vertrags- und Verhandlungsmanagement existiert (Abbildung 5.1).

Abbildung 5.1: → Beschaffungsmanagement in Projekten: Einordnung
5.2 Das Lieferantenmanagement und das Beschaffungscontrolling
Das Lieferantenmanagement ist häufig mit dem Beschaffungscontrolling verzahnt (Abbildung 5.2).

Abbildung 5.2: Das Beschaffungscontrolling / Schritte des Beschaffungsprozesses
6. Häufig gestellte Fragen und Antworten (FAQ) zum Lieferantenmanagement
Einige Fragen zum Lieferantenmanagement werden häufig gestellt – diese werden hier wiedergegeben.
- F: Muss immer Lieferantenmanagement in Organisationen durchgeführt werden?
A: Nein. Wenn nur wenig mit Lieferanten gearbeitet wird oder die Lieferprodukte kaum Einfluss auf die Wertschöpfung haben, kann auf Lieferantenmanagement verzichtet werden. - F: Wer ist für das Lieferantenmanagement in Organisationen verantwortlich?
A: Wenn es einen zentralen Einkauf / eine zentrale Einkaufsabteilung gibt, so ist diese in der Regel dafür zuständig.
Haben Sie noch weitere Fragen oder möchten Sie Ergänzungen an der FAQ vornehmen? Am besten schreiben Sie mir hierzu eine E‑Mail an: kontakt@peterjohann-consulting.de.
A. Präsentationen, Literatur und Weblinks
A.1 Meine öffentliche Präsentation zum Lieferantenmanagement
Die Beschreibung auf dieser Website ist zum Teil der Präsentation “Beschaffung in Projekten” entnommen, die hier heruntergeladen werden kann.
| Inhalt | Typ |
|---|---|
| Projektmanagement: Beschaffung (Procurement) – Eine Übersicht | |
A.2 Literatur
- /Arnolds22/ Hans Arnolds, Franz Heege, Carsten Röh, Werner Tussing: Materialwirtschaft und Einkauf. Grundlagen – Spezialthemen – Übungen, Springer Fachmedien, Wiesbaden 14. Auflage 2022, ISBN 978–3‑658–30473‑7
- /Hartmann19/ Horst Hartmann: Lieferantenmanagement. Gestaltungsfelder, Methoden, Instrumente mit Beispielen aus der Praxis, Deutscher Betriebswirte-Verlag, Gernsbach 4. Auflage 2019, ISBN 978–3‑88640–253‑3
- /Helmold16/ Marc Helmold, Brian Terry: Lieferantenmanagement 2030. Wertschöpfung und Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in digitalen und globalen Märkten, Springer Fachmedien Wiesbaden 2016, ISBN 978–3‑658–13978‑0
- /Helmold21/ Marc Helmold: Innovatives Lieferantenmanagement. Wertschöpfung in globalen Lieferketten, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2021, ISBN 978–3‑658–33059‑0
- /Hofbauer16/ Günter Hofbauer, Tarek Mashhour, Michael Fischer: Lieferantenmanagement. Die wertorientierte Gestaltung der Lieferbeziehung, De Gruyter Oldenbourg, München 3. Auflage 2016, ISBN 978–3‑11–044263‑2
- /Krampf20/ Peter Krampf: Beschaffungsmanagement. Eine praxisorientierte Einführung in Materialwirtschaft und Einkauf, Vahlen, München 3. Auflage 2020, ISBN 978–3‑8006–5877‑0
- /Pfeifer21/ Tilo Pfeifer, Robert Schmitt: Masing Handbuch → Qualitätsmanagement, Hanser, München 7. Auflage 2021, ISBN 978–3‑446–46230‑4
A.3 Weblinks
- /#Wiki-Lieferantenmanagement/ Lieferantenmanagement in der deutschen Wikipedia
Legende zu den Weblinks
/ / Verweis auf eine Website (allgemein)
/*/ Verweis auf eine Website, die als Ergänzung zu einem Buch dient
/#/ Verweis auf ein einzelnes Thema auf einer Website
/#V/ Verweis auf ein Video auf einer Website
Letzte Aktualisierung: 10.04.2026 © Peterjohann Consulting, 2005–2026
![Die Lieferantenpyramide Die Lieferantenpyramide, (C) Peterjohann Consulting, 2025-[lj]](https://www.peterjohann-consulting.de/_images/peco-pm-beschaffung-lieferantenpyramide-einfach-xl.png)
![Anbieter, Lieferant oder Verkäufer? Anbieter, Lieferant oder Verkäufer?, (C) Peterjohann Consulting, 2025-[lj]](https://www.peterjohann-consulting.de/_images/peco-pm-beschaffung-anbieter-lieferant-oder-verkaeufer-xl.png)

