Management-Zusammenfassung dieses Beitrags:
Die Begriffe Holschuld und Bringschuld werden in verschiedenen Disziplinen verwendet. Im → Informationsmanagement geht es bei der Holschuld und Bringschuld um das Vorgehen bei der Verteilung von Informationen.
In diesem Beitrag wird eine Beschreibung der beiden Begriffe für das Informationsmanagement geliefert.
Die beiden Begriffe können im Informationsmanagement folgendermaßen charakterisiert werden:
- Holschuld (englisch: Debt to be collected): Informationen müssen durch eine Person aktiv eingefordert werden
- Bringschuld (englisch: Obligation to Deliver): Informationen müssen von einer Person aktiv geliefert werden
Die Wikipedia schreibt zur Holschuld /#Wiki-Holschuld/:
“Holschuld ist ein Begriff aus dem Schuldrecht und bedeutet, dass Leistungs- und Erfolgsort beim Schuldner liegt. Bei ihm sollen die Leistungshandlungen erfolgen und der Leistungserfolg eintreten. Bei der Holschuld muss sich der Gläubiger die Leistung beim Schuldner abholen.“
Und es wird dann für das Informationsmanagement ausgeführt:
“Das Informationsmanagement benutzt die juristischen Begriffe Holschuld/Bringschuld für das Informationsverhalten von Personen oder Personal, das Informationen, Nachrichten oder Wissen vom Inhaber der Information rechtzeitig und vollständig und in geeigneter Form abzuholen oder an eine andere Person weiterzuleiten hat.”
In der Wikipedia steht zur Bringschuld /#Wiki-Bringschuld/:
“Bringschuld ist ein Rechtsbegriff aus dem Schuldrecht und bedeutet, dass Leistungs- und Erfolgsort der Wohn- beziehungsweise Geschäftssitz des Gläubigers ist. Dorthin muss der Schuldner kommen, um seine Schuld zu erfüllen.“
Und es wird dann für das Informationsmanagement ausgeführt:
“Im betrieblichen Informationsmanagement wurde der Begriff Bringschuld aus dem Recht übernommen und bedeutet, dass eine Person im Rahmen ihres Informationsverhaltens verpflichtet ist, die ihr bekanntgewordenen relevanten Informationen rechtzeitig und umfassend und in geeigneter Form horizontal (gleichstufige Mitarbeiter) und/oder vertikal (Vorgesetzte) weiterzugeben, damit diese richtige Entscheidungen treffen können.”
Die Unterschiede von Holschuld und Bringschuld sind in Abbildung 1 wiedergegeben.

Abbildung 1: Holschuld oder Bringschuld?
Anmerkungen:
- Es wird teilweise der Begriff Holpflicht statt Holschuld verwendet, der aber dasselbe meint. Den Begriff Bringpflicht gibt es jedoch nicht
- Statt Holschuld und Bringschuld finden sich auch die Begriffe Informationsholschuld und Informationsbringschuld: Damit ist direkt ersichtlich, dass es um die Verwendung im Informationsmanagement geht
- Zur Schreibweise: Die Schreibweise “Hol-Schuld und Bring-Schuld” ist ebenfalls zu finden. In meinen Beiträgen und → Präsentationen wird jedoch durchgängig “Holschuld und Bringschuld” genutzt
- Das → Prinzip “Holschuld und Bringschuld” ist nicht in allen Ländern bekannt oder verankert. Entsprechend muss bei internationalen → Vorhaben oder Organisationen darauf geachtet werden, das Informationen zeitgerecht zusammengetragen werden können
- Statt von “Holschuld und Bringschuld” wird bei der Zuteilung von Aufgaben im agilen Kontext eher von “→ Push und → Pull” gesprochen. Dabei werden im Push-Verfahren Aufgaben Bearbeitern zugewiesen, dies entspricht der Bringschuld durch eine übergeordnete Stelle. Beim Pull-Verfahren ordnen sich die Mitarbeiter sich die Aufgaben selber zu, dies ist also eine Holschuld
Generell sind Hol- und Bringschuld im Informationsmanagement an Zeiten oder Ereignisse geknüpft, es werden Informationen es dann weitergereicht / gemeldet, wenn es notwendig erscheint (Abbildung 2).
Bei …
- Zeitvorgaben werden vorab fixe Zeitpunkte benannt, an denen Informationen vorliegen müssen. Dabei wird häufig Holschuld praktiziert — derjenige, der die Daten / Informationen benötigt, besorgt sie sich.
- inhaltlichen Vorgaben / Ereignissen werden Inhaltspunkte benannt, an denen Daten / Informationen weitergereicht werden müssen. Dies ist in der Regel eine Bringschuld, da der “Datenverantwortliche”, der die Daten / Informationen unmittelbar überwacht, das Eintreten der Ereignisse unmittelbar erkennen kann.
- übergeordneten Ereignissen, die sehr → wichtig sind und nicht geplant werden können, gilt immer die Bringschuld.

Abbildung 2: Typische Auslöser der Hol- und Bringschuld
Im → Projektmanagement kommen Holschuld und Bringschuld bei der Erfassung von Aufwänden im Berichtswesen zum Einsatz (Abbildung 3). Dabei kann der Projektcontroller die benötigten Daten entweder bei den Aufwandsverursachern (in der Regel Arbeitspaketverantwortliche) abfragen (Holschuld, manchmal auch scherzhaft Turnschuhtaktik genannt) oder die Aufwandsverursacher liefern die benötigten Daten (Bringschuld).

Abbildung 3: Hol- und Bringschuld bei der Aufwandserfassung in Projekten
Für die → Führung in Projekten oder allgemein in Organisationen gibt es die Aussage: “Führung ist immer eine Bringschuld”. Dies bedeutet, dass eine Führungsperson immer aktiv führen muss und nicht darauf warten kann, dass die geführte Gruppe Anfragen oder Nachfragen stellt. Aber: Das Abfragen von Statusinformationen (“Wo stehst du derzeit mit deinen Aufgaben?”) durch eine Führungskraft kann als schwache Führung interpretiert werden und ist daher nicht immer ratsam — insbesondere in agilen Kontexten wird auf Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter gesetzt.
Weblinks
- /#Wiki-Bringschuld/ Bringschuld in der deutschen Wikipedia
- /#Wiki-Holschuld/ Holschuld in der deutschen Wikipedia
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Letzte Aktualisierung: 14.07.2026 © Peterjohann Consulting, 2005–2026

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