Scope Creep Mit schleichenden Ausweitungen in Projekten umgehen

Manage­ment-Zusam­men­fas­sung die­ses Bei­trags:
Unter Scope Creep wird eine schlei­chen­de Aus­wei­tung im Umfang eines Pro­jekts oder Requi­re­ments-Vor­ha­bens ver­stan­den.
In die­sem Bei­trag wird der Scope Creep beschrieben.

Gene­rell kann ein Scope Creep in allen Pro­jek­ten auf­tre­ten, da der Umfang eines Pro­jekts in den sel­tens­ten Fäl­len voll­stän­dig geplant wer­den kann. Wesent­lich ist beim Scope Creep jedoch, dass die Aus­wei­tung des Umfangs “schlei­chend” geschieht, also im Nega­tiv­fall durch das → Pro­jekt­ma­nage­ment nicht erfasst und ent­spre­chend nicht gesteu­ert wird.

1. Beschreibung

Das → PMI defi­niert Scope Creep wie folgt /PBG21‑d/:
“Inhalts- und Umfangs­zu­wachs (schlei­chend) / Scope Creep. Die unge­steu­er­te Aus­wei­tung des Pro­dukt- oder Pro­jekt­in­halts und ‑umfangs ohne Anpas­sung von Zeit, Kos­ten und Ressourcen.”

Die → GPM schreibt zum Scope Creep /GPM16/:
“Der “schlei­chen­de” Anstieg des Leis­tungs­um­fangs (engl.: scope creep) ist eine beson­de­re Art der (Ver-)Änderungen im Leis­tungs­um­fang. Er ist dadurch gekenn­zeich­net, dass eine (still­schwei­gen­de) Ände­rung des Leis­tungs­um­fangs statt­fin­det, die in den Grund­da­ten der Kos­ten oder des Zeit­plans (zunächst) nicht reflek­tiert wird.”

Bei Wie­gers steht zum Scope Creep /Wiegers13/:
“A con­di­ti­on in which the scope of a pro­ject con­ti­nues to increase in an uncon­trol­led fashion throug­hout the deve­lo­p­ment pro­cess.”
(Eige­ne Über­set­zung: “Ein → Zustand, in dem sich der Umfang eines Pro­jekts wäh­rend des gesam­ten Ent­wick­lungs­pro­zes­ses unkon­trol­liert vergrößert.“)

In Abbil­dung 1 ist der Über­gang von einem defi­nier­ten Umfang / Scope (lin­kes Bild­drit­tel) zu einem durch Scope Creep erwei­ter­ten Scope (rech­tes Bild­drit­tel) dargestellt.

Der Scope Creep (mit Übertragung), (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 1: Der Scope Creep (mit Übertragung)

Der zen­tra­le Punkt ist dabei: Wer trägt die Kos­ten der Umfangs­aus­wei­tung / des Scope Creeps? Aus Sicht des Kun­den oder Auf­trag­ge­bers soll­ten die­se Mehr­kos­ten durch das Pro­jekt getra­gen wer­den, aus Sicht des Pro­jekt­ma­na­gers oder des Pro­jekts fal­len die Kos­ten als Zusatz­kos­ten beim Kun­den an.

Anmer­kun­gen:

  • In der eng­lisch­spra­chi­gen Lite­ra­tur zum Pro­jekt­ma­nage­ment und zum → Requi­re­ments Engi­nee­ring fin­det sich der Begriff Scope Creep häu­fi­ger als in der deutsch­spra­chi­gen Literatur
  • Statt Scope Creep wer­den in der eng­lisch­spra­chi­gen Lite­ra­tur auch die Begrif­fe Requi­re­ments Creep oder → Fea­ture Creep verwendet
  • Scope Creep wird im All­ge­mei­nen als Aus­wei­tung des Umfangs betrach­tet, es könn­te aber auch Ände­run­gen am Umfang damit gemeint sein

2. Der Umgang mit Scope Creep

Gene­rell kann Scope Creep in allen Arten von Pro­jek­ten auf­tre­ten. Wird eine → Abwei­chung vom geplan­ten Umfang fest­ge­stellt, so soll­te das → Ände­rungs­ma­nage­ment in Pro­jek­ten greifen.

2.1 Die Ursachen für Scope Creep

Die Ursa­chen für Scope Creep kön­nen sein (Abbil­dung 2):

  • Unvoll­stän­di­ge Anforderungen
  • Tech­no­lo­gi­sche Notwendigkeiten
  • Unacht­sam­kei­ten bei der Umset­zung / Implementierung
  • Eigen­mäch­ti­ge Erwei­te­run­gen (“Gold-Pla­ting”) durch das Umsetzungsteam
  • Erwei­te­rungs­wün­sche des Kun­den / Auf­trag­ge­bers, für die kein Bud­get vor­han­den ist
Äußere und innere Ursachen von Scope Creep, (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 2: Äuße­re und inne­re Ursa­chen von Scope Creep

Die Unter­tei­lung von inne­ren und äuße­ren Ursa­chen ist nicht immer ein­fach: Wenn bei­spiels­wei­se das → Las­ten­heft unvoll­stän­dig oder man­gel­haft ist, so ist dies gene­rell eine äuße­re Ursa­che und damit liegt die Ver­ant­wor­tung beim → Auf­trag­ge­ber (“Der Auf­trag­ge­ber ist für das Las­ten­heft ver­ant­wort­lich”). Aller­dings muss dann betrach­tet wer­den, ob der Auf­trag­neh­mer / das Pro­jekt die­sen → Man­gel nicht hät­te erken­nen müs­sen oder können.

2.2 Das Erkennen von Scope Creep

Das Erken­nen von Scope Creep ist eine der Haupt­auf­ga­ben des Pro­jekt­ma­na­gers, da die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Scope Creeps fast immer zu Las­ten des Pro­jekts gehen. Mög­li­che Abwei­chun­gen wer­den häu­fig bei …

  • Team­mee­tings
  • Len­kungs­aus­schuss­sit­zun­gen
  • dem Erstel­len von Statusberichten

fest­ge­stellt.

2.3 Die Behandlung von Scope Screep

Das Scope Creep nicht kom­plett ver­mie­den wer­den kann, muss Scope Creep im Pro­jekt behan­delt wer­den. Gene­rell soll­ten über das Ände­rungs­ma­nage­ment im Pro­jekt die Ände­run­gen → sys­te­ma­tisch bear­bei­tet wer­den. Wenn ein Pro­zess zur Ände­rung von Anfor­de­run­gen jedoch fehlt, kann es zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen bei der Behand­lung von Scope Creep kommen.

3. Weitere Aspekte zum Scope Creep

Fol­gen­de Aspek­te soll­ten beim Scope Creep beach­tet werden:

  • Scope Creep und das → Mini­mum Via­ble Pro­duct (→ MVP): Wird an einem MVP gear­bei­tet, so wirkt sich der Scope Creep beson­ders gra­vie­rend aus, da der MVP auf schnel­le Umset­zung aus­ge­legt ist
  • Scope Creep und agi­les Vor­ge­hen: Da beim agi­len Vor­ge­hen kei­ne kom­plet­te Umfangs­de­fi­ni­ti­on vor­liegt, kann es bei der Umset­zung in Sprints nicht zum Scope Creep kommen

A. Präsentationen, Literatur und Weblinks

A.1 Präsentation

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A.2 Literatur

  • /GPM16/ Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment: Kom­pe­tenz­ba­sier­tes Pro­jekt­ma­nage­ment (PM3), GPM, Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment, Nürn­berg 8. Auf­la­ge 2016, ISBN 978–3‑924841–74‑4
  • /GPM19/ Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment: Kom­pe­tenz­ba­sier­tes Pro­jekt­ma­nage­ment (PM4), GPM, Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment, Nürn­berg 2019, ISBN 978–3‑924841–77‑5
  • /PBG21‑d/ Pro­ject Manage­ment Insti­tu­te: A Gui­de to the Pro­ject Manage­ment Body of Know­ledge (PMBOK Gui­de) und Der → Stan­dard für das Pro­jekt­ma­nage­ment, Pro­ject Manage­ment Insti­tu­te, Phil­adel­phia, Penn­syl­va­nia Sieb­te Aus­ga­be 2021, ISBN 978–1‑62825–695‑6
  • /PBG25/ Pro­ject Manage­ment Insti­tu­te: A Gui­de to the Pro­ject Manage­ment Body of Know­ledge (PMBOK Gui­de) and The Stan­dard for Pro­ject Manage­ment, Pro­ject Manage­ment Insti­tu­te, Phil­adel­phia, Penn­syl­va­nia Eighth Edi­ti­on 2025, ISBN 978–1‑62825–829‑5
  • /Wiegers13/ Karl E. Wie­gers, Joy Beat­ty: Soft­ware Requi­re­ments, Micro­soft Press, Red­mond, Washing­ton 3rd Edi­ti­on 2013, ISBN 978–0‑7356–7966‑5
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