Die Projektauswahl Systematisch die richtigen Projekte bestimmen

Manage­ment-Zusam­men­fas­sung die­ses Bei­trags:
Bei der Pro­jekt­aus­wahl wird zu einem sehr frü­hen → Zeit­punkt unter­sucht, ob Pro­jekt­ideen oder Pro­jekt­vor­ha­ben zu Pro­jek­ten füh­ren kön­nen und sol­len. Hier­bei wer­den ver­schie­de­nen Kri­te­ri­en her­an­ge­zo­gen und über­prüft.
In die­sem Bei­trag wird die Pro­jekt­aus­wahl beschrieben.

Die Pro­jekt­aus­wahl (auch: Pro­jekt­vor­auswahl, eng­lisch: Pro­ject Sel­ec­tion oder Pro­ject Pre­sel­ec­tion) dient der ziel­ge­rich­te­ten Aus­wahl von Pro­jek­ten in einem Pro­jekt­port­fo­lio. Sie soll­te vor dem eigent­li­chen → Pro­jekt­start erfol­gen, um so fest­zu­stel­len, wel­che Pro­jekt­vor­ha­ben sinn­voll durch­führ­bar sind. Bei der Pro­jekt­aus­wahl wer­den Pro­jekt­vor­ha­ben in die Kate­go­rien ange­nom­men / “durch­zu­füh­ren” und abge­lehnt / “nicht durch­zu­füh­ren” getrennt (Abbil­dung 0.1).

Ergebnisse des Projektauswahlprozesses: Unterteilung, (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 0.1: Ergeb­nis­se des Pro­jekt­aus­wahl­pro­zes­ses: Unterteilung

Wenn die Pro­jekt­aus­wahl ergibt, dass ein ein­zel­nes → Vor­ha­ben nicht umge­setzt wer­den soll, so muss dort auch nicht wei­ter inves­tiert wer­den, es fal­len kei­ne Kos­ten mehr an.

Anmer­kung:
Als Pro­jekt­aus­wahl wird in die­sem Bei­trag der Pro­zess der Pro­jekt­aus­wahl / der Pro­jekt­aus­wahl­pro­zess bezeich­net. Das Ergeb­nis der Pro­jekt­aus­wahl wird als Pro­jekt­aus­wahl­stu­die, Pro­jekt­aus­wahl­be­richt oder Pro­jekt­aus­wahl­lis­te (eng­lisch: Pro­ject Short­list) bezeichnet.

1. Einleitung und Grundlagen

Pro­jek­te sol­len Nut­zen für das durch­füh­ren­de Unter­neh­men oder die durch­füh­ren­de Orga­ni­sa­ti­on brin­gen, wobei Nut­zen nicht allein auf den mone­tä­ren → Gewinn beschränkt ist. Um aus einer Men­ge von Pro­jekt­ideen, Pro­jekt­vor­schlä­gen und Pro­jekt­vor­ha­ben die­je­ni­gen aus­zu­wäh­len, die bei der Umset­zung in Pro­jek­te Nut­zen und Erfolg ver­spre­chen, wird in der Regel eine Pro­jekt­aus­wahl (oder Pro­jekt­vor­auswahl) durchgeführt. 

1.1 Definitionen

Defi­ni­tio­nen zur Pro­jekt­aus­wahl sind in den Nor­men und Stan­dards sowie in der Lite­ra­tur kaum zu fin­den. In der Regel wird die Pro­jekt­aus­wahl dem Port­fo­lio­ma­nage­ment oder dem Mul­ti­pro­jekt­ma­nage­ment zugeordnet.

Eine Defi­ni­ti­on könn­te lau­ten:
Die Pro­jekt­aus­wahl dient dazu, in einer sehr frü­hen Pha­se aus einer Men­ge von mög­li­chen Vor­ha­ben die­je­ni­gen aus­zu­wäh­len, die den größ­ten Nut­zen in einem Kon­text brin­gen. Dabei wird ein Kon­tin­gent betrach­tet, wel­ches die mög­li­chen Res­sour­cen umfasst.

1.2 Strategien zur Projektauswahl 

Gene­rell kön­nen ver­schie­de­ne Stra­te­gien zur Fül­lung eines Kon­tin­gents bei der Pro­jekt­aus­wahl ange­wandt wer­den (Abbil­dung 1.1). Typi­sche Vor­ge­hens­wei­sen sind:

  • Kon­tin­gent wird nicht aus­ge­schöpft: Es wird — bewusst oder unbe­wusst — ein Puf­fer belas­sen, der spä­ter gefüllt wer­den kann
  • Kon­tin­gent wird aus­ge­schöpft: Es genau das zur Ver­fü­gung gestell­te Kon­tin­gent genutzt, alls Pro­jek­te sol­len in die Umset­zung und in den Abschluss gelangen
  • Kon­tin­gent wird 
über­trof­fen: Es wird das zur Ver­fü­gung gestell­te Kon­tin­gent über­trof­fen, was bedeu­tet, das mehr Pro­jek­te in die → Vor­pro­jekt­pha­se gelan­gen als jemals umge­setzt wer­den kön­nen. Daher müs­sen in der Vor­pro­jekt­pha­se wei­te­re Wirt­schaft­lich­keits­be­trach­tun­gen erfol­gen, sodass dann Pro­jek­te gestoppt werden
Mögliche Strategien der Projektauswahl, (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 1.1: Mög­li­che Stra­te­gien der Projektauswahl

1.3 Zeitliche Einordnung der Projektauswahl 

Die Pro­jekt­aus­wahl kann ent­we­der kom­plett vor der Pro­jekt­in­itia­li­sie­rung oder in der Vor­pro­jekt­pha­se statt­fin­den (Abbil­dung 1.2).

Zeitpunkte für die Projektauswahl, (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 1.2: Zeit­punk­te für die Projektauswahl

Abbil­dung 1.3 zeigt die zeit­li­che Anord­nung der Pro­jekt­aus­wahl noch vor der Vorprojektphase.

Zeitpunkte der Projektauswahl: Fokus dieses Beitrags, (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 1.3: Zeit­punk­te der Pro­jekt­aus­wahl: Fokus die­ses Beitrags

Die Pro­jekt­aus­wahl wird im Port­fo­lio­ma­nage­ment durch ein → Mee­ting des Port­fo­lio-Boards abge­schlos­sen. Typi­scher­wei­se fin­det ein sol­ches Port­fo­lio-Board-Mee­ting ein­mal pro Quar­tal statt (Abbil­dung 1.4).

Die Sitzungen des Portfolio-Boards zur Projektauswahl, (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 1.4: Die Sit­zun­gen des Port­fo­lio-Boards zur Projektauswahl

1.4 Der Projekttrichter

Der Pro­jekt­trich­ter (oder auch Pro­jekt­port­fo­lio­t­rich­ter) visua­li­siert die Pro­jekt­aus­wahl aus einem Pro­jekt­port­fo­lio (Abbil­dung 1.5). Es wer­den meh­re­re, noch nicht begon­ne­ne Pro­jek­te zur Aus­wahl gestellt, die aber nicht alle zeit­gleich umge­setzt wer­den können.

Der Projekttrichter zur Projektauswahl, (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 1.5: Der Pro­jekt­trich­ter zur Pro­jekt­aus­wahl (nach /Lomitz08/)

2. Grundsätzliches Vorgehen

Wird eine Pro­jekt­aus­wahl durch­ge­führt, so kann dazu ein mehr­stu­fi­ger Aus­wahl­pro­zess her­an­ge­zo­gen wer­den (Abbil­dung 2.1).

Der Projektauswahlprozess, (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 2.1: Der Projektauswahlprozess

Abbil­dung 2.2 zeigt ein Prüf­sche­ma, wel­ches zur Erstel­lung der Bewer­tungs­lis­te zur Pro­jekt­aus­wahl her­an­ge­zo­gen wer­den kann.

Prüfschema zur Projektvorauswahl nach Schelle, (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 2.2: Prüf­sche­ma zur Pro­jekt­vor­auswahl nach Schel­le /Schelle18/

3. Betrachtungen zur Projektauswahl

Ein → Attrak­ti­vi­täts­port­fo­lio stellt den wirt­schaft­li­chen Nut­zen eines Vor­ha­bens dem Stra­te­gie­bei­trag gegenüber.

Das 
Attraktivitätsportfolio: Wirtschaftlicher Nutzen vs. Strategievorteil, (C) Peterjohann Consulting, 2023-2026

Abbil­dung 3.1: Das Attrak­ti­vi­täts­port­fo­lio: Wirt­schaft­li­cher Nut­zen vs. Strategievorteil

Ein Pro­jekt­port­fo­lio ist in Abbil­dung 3.2 dargestellt.

Das Projektportfolio: Risiko vs. Strategiebeitrag, (C) Peterjohann Consulting, 2025-2026

Abbil­dung 3.2: Das Pro­jekt­port­fo­lio: Risi­ko vs. Stra­te­gie­bei­trag (aus /GPM16/)

4. Häufig gestellte Fragen und Antworten (FAQ) zur Projektauswahl

Eini­ge Fra­gen zur Pro­jekt­aus­wahl wer­den häu­fig gestellt – die­se wer­den hier wie­der­ge­ge­ben und beantwortet.

  • F: Wann muss die Pro­jekt­aus­wahl in Pro­jek­ten durch­ge­führt wer­den?
    A: Immer vor dem eigent­li­chen Pro­jekt, sogar vor der Vorprojektphase.
  • F: Muss die Pro­jekt­aus­wahl immer durch­ge­führt wer­den?
    A: Ja und Nein. Der Pro­jekt­aus­wahl­pro­zess dient dazu, die­je­ni­gen Pro­jek­te aus­zu­wäh­len, die den größ­ten Nut­zen ver­spre­chen. Wenn aber nur so weni­ge Pro­jekt­vor­ha­ben exis­tie­ren, dass alle Pro­jek­te ohne wei­te­re → Prü­fung durch­ge­führt wer­den, kann auf die Pro­jekt­aus­wahl ver­zich­tet werden.
  • F: Muss ein schrift­li­ches Doku­ment — die Pro­jekt­aus­wahl­stu­die — zum Abschluss der Pro­jekt­aus­wahl erstellt wer­den?
    A: Ja, denn ansons­ten ver­fehlt die Pro­jekt­aus­wahl ihre Wirkung.
  • F: Muss die Pro­jekt­aus­wahl regel­mä­ßig aktua­li­siert wer­den?
    A: Nein, zumin­dest nicht direkt. Da die Ergeb­nis­se, die in der Pro­jekt­aus­wahl­stu­die fest­ge­hal­ten wer­den, auch in wei­te­re Betrach­tun­gen und Ana­ly­sen ein­flie­ßen, soll­ten dort dann Aktua­li­sie­run­gen erfolgen.

Haben Sie noch wei­te­re Fra­gen oder möch­ten Sie Ergän­zun­gen an der FAQ vor­neh­men? Am bes­ten schrei­ben Sie mir hier­zu eine E‑Mail an: kontakt@peterjohann-consulting.de.

A. Präsentationen, Literatur und Weblinks

A.1 Meine öffentliche Präsentationen zur Projektauswahl

Inhalt Typ
Pro­jekt­ma­nage­ment: Wirt­schaft­lich­keits­be­trach­tun­gen für Pro­jek­te – Eine Übersicht
pdf

A.2 Literatur

  1. /DIN26/ DIN: → Pro­jekt­ma­nage­ment. Netz­plan­tech­nik und Pro­jekt­ma­nage­ment­sys­te­me. DIN-Taschen­buch 472, DIN Media, Ber­lin 6. Auf­la­ge 2026, ISBN 978–3‑410–39730‑4
  2. /GPM16/ Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment: Kom­pe­tenz­ba­sier­tes Pro­jekt­ma­nage­ment (PM3), → GPM, Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment, Nürn­berg 8. Auf­la­ge 2016, ISBN 978–3‑924841–74‑4
  3. /GPM19/ Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment: Kom­pe­tenz­ba­sier­tes Pro­jekt­ma­nage­ment (PM4), GPM, Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment, Nürn­berg 2019, ISBN 978–3‑924841–77‑5
  4. /Lomnitz08/ Gero Lom­nitz: Mul­ti­pro­jekt­ma­nage­ment, Red­li­ne Wirt­schaft bei Ver­lag Moder­ne Indus­trie, Mün­chen, 3. Auf­la­ge 2008, ISBN 978–3‑636–03162‑4
  5. /PBG21‑d/ Pro­ject Manage­ment Insti­tu­te: A Gui­de to the Pro­ject Manage­ment Body of Know­ledge (PMBOK Gui­de) und Der → Stan­dard für das Pro­jekt­ma­nage­ment, Pro­ject Manage­ment Insti­tu­te, Phil­adel­phia, Penn­syl­va­nia Sieb­te Aus­ga­be 2021, ISBN 978–1‑62825–695‑6
  6. /Schelle18/ Heinz Schel­le, Oli­ver Lins­sen: Pro­jek­te zum Erfolg füh­ren. Pro­jekt­ma­nage­ment → sys­te­ma­tisch und kom­pakt, Deut­scher Taschen­buch Ver­lag, Mün­chen 8. Auf­la­ge 2018, ISBN 978–3‑423–50960‑2

Legen­de zu den Weblinks
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