Fehlerkultur Mit Fehlern richtig umgehen

Manage­ment-Zusam­men­fas­sung die­ses Bei­trags:
Eine Feh­ler­kul­tur (engl. Fail­ure Cul­tu­re) ist in Orga­ni­sa­tio­nen wich­tig, um den Umgang mit Feh­lern so zu gestal­ten, dass ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter an der Feh­ler­re­du­zie­rung und damit an der Qua­li­täts­ver­bes­se­rung teil­ha­ben kön­nen.
In die­sem Bei­trag wird eine Beschrei­bung der Feh­ler­kul­tur in Orga­ni­sa­tio­nen geliefert.

Der Umgang mit Feh­lern ist in Orga­ni­sa­tio­nen unter­schied­lich. Eine “gute”, kon­struk­ti­ve Feh­ler­kul­tur zeich­net sich dadurch aus, dass → Feh­ler ent­deckt, gemel­det und beho­ben wer­den (Abbil­dung 1). Die­se Feh­ler kön­nen sich auf Pro­duk­te oder Pro­zes­se / Vor­ge­hens­wei­sen bezie­hen. Das Gegen­stück dazu ist eine destruk­ti­ve Fehlerkultur.

Fehlerkultur - Destruktiv und Konstruktiv, (C) Peterjohann Consulting, 2022-2024

Abbil­dung 1: Feh­ler­kul­tur — Destruk­tiv und Konstruktiv

1. Einleitung und Grundlagen

1.1 Definitionen

In der Wiki­pe­dia defi­niert die Feh­ler­kul­tur wie folgt /#Wiki-Fehlerkultur/:
“Der Begriff Feh­ler­kul­tur stammt aus den Sozi­al- und Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten und bezeich­net die Art und Wei­se, wie Gesell­schaf­ten, Kul­tu­ren und sozia­le Sys­te­me mit Feh­lern, Feh­ler­ri­si­ken und Feh­ler­fol­gen umgehen.”

In der Wiki­pe­dia steht zum Begriff Feh­ler /#Wiki-Fehler/:
“Ein Feh­ler ist die → Abwei­chung eines Zustands, Vor­gangs oder Ergeb­nis­ses von einem → Stan­dard, den Regeln oder einem Ziel.“
und ande­rer Stel­le /#Wiki-Fehler_Begriffsklärung/:
“Merk­mals­wert, der die vor­ge­ge­be­nen For­de­run­gen nicht erfüllt.”

1.2 Unterschiedliche Ansätze

Eine “gute” Feh­ler­kul­tur in einer Orga­ni­sa­ti­on kann ver­schie­de­ne Ansät­ze gleich­zei­tig ver­fol­gen. So wird ein Qua­li­täts­ma­na­ger dar­auf drän­gen, mög­lichst wenig Feh­ler zu erzeu­gen, also eine Feh­ler­ver­mei­dungs­stra­te­gie ver­wen­den. Bei der For­schung und Ent­wick­lung (F&E, auch R&D — Rese­arch and Deve­lo­p­ment) dürf­te das anders aus­se­hen: Dort geht es dar­um, neu­ar­ti­ge Din­ge aus­zu­pro­bie­ren: Dabei sind Feh­ler durch­aus erwünscht und müs­sen ein­ge­plant werden.

Fehlerkultur in produzierenden Unternehmen, (C) Peterjohann Consulting, 2022-2024

Abbil­dung 2: Feh­ler­kul­tur in pro­du­zie­ren­den Unternehmen

2. Fehlerwirkungsketten

Aus Feh­lern — oder genau­er: ent­deck­ten Feh­lern — ent­ste­hen Wir­kun­gen. Aus der unmit­tel­ba­ren Wir­kung resul­tie­ren wei­te­re, indi­rek­te Wir­kun­gen: Es ent­ste­hen Feh­ler­wir­kungs­ket­ten, die sich ins­ge­samt nega­tiv auf das zwi­schen­mensch­li­che Kli­ma aus­wir­ken können.

2.1 Destruktives Verhalten — Der Teufelskreis

Ein Teu­fels­kreis der Feh­ler­kul­tur ist in Abbil­dung 3 dar­ge­stellt. Er basiert dar­auf, dass ent­deck­te Feh­ler jeman­den anzu­las­ten sind (dem “Schul­di­gen”), der dann als “Täter” über­führt ist und sich dann recht­fer­ti­gen muss. In der Regel wird die­ser “Täter” dann ver­ängs­tigt sein — und ver­su­chen, kei­ne Feh­ler mehr zu machen, die ent­deckt wer­den könn­ten. Eine sol­che Feh­ler­kul­tur ist wenig → pro­duk­tiv, da das Ver­mei­den oder Ver­tu­schen von Feh­lern im Vor­der­grund steht.

Der Teufelskreis der Fehlerkultur, (C) Peterjohann Consulting, 2022-2024

Abbil­dung 3: Der Teu­fels­kreis der Fehlerkultur

2.2 Konstruktives Verhalten — Der Lernkreis

Als Gegen­stück zum Teu­fels­kreis kann ein Lern­kreis zur Feh­ler­mi­ni­mie­rung ein­ge­setzt wer­den (Abbil­dung 4). Wird ein Feh­ler ent­deckt, so wird die Feh­ler­ur­sa­che gesucht und idea­ler­wei­se auch gefun­den, sodass sie dann besei­tigt wer­den kann. Ins­ge­samt wird dadurch die Feh­ler­an­fäl­lig­keit reduziert.

Der Lernkreis der Fehlerkultur, (C) Peterjohann Consulting, 2022-2024

Abbil­dung 4: Der Lern­kreis der Fehlerkultur

3. Weiteres zur Fehlerkultur

Fol­gen­de Pro­blem­krei­se tre­ten vor allem bei der destruk­ti­ven Feh­ler­kul­tur auf:

  • Wenn man den Feh­ler sel­ber her­vor­ge­ru­fen hat, so führt in der Regel eine Mel­dung die­ses Feh­lers zur Redu­zie­rung des eige­nen Ansehens
  • Fin­ger­poin­ting / Bla­ming: Wer­den Feh­ler erkannt, so wird auf den Feh­ler­ver­ur­sa­cher “gezeigt”, er wird verspottet

Ein Ansatz zur Feh­ler­kul­tur lau­tet: “Fail fast, fail offen” — “Schnel­les Schei­tern, häu­fi­ges Schei­tern”. Das frü­he und häu­fi­ge Schei­tern ist ein Grund­satz, um Din­ge aus­pro­bie­ren zu kön­nen, ohne die Feh­ler­kos­ten so hoch­zu­trei­ben, dass sie nicht mehr trag­bar sind.

4. Fehler sind nicht per se positiv

Eine gute Feh­ler­kul­tur bedeu­tet nicht, dass man Feh­ler belie­big häu­fig machen darf. Es soll­te eher das Ziel sein, dass man aus Feh­lern lernt und bereits auf­ge­tre­te­ne Feh­ler nicht wie­der­holt. Zudem gibt es Beru­fe, in denen kei­ne Feh­ler auf­tre­ten soll­ten: Hier sind ins­be­son­de­re gemeint, bei denen es um die Sicher­heit von “Leib und Leben” geht.

5. Sprüche zur Fehlerkultur

  • “Ich habe nicht ver­sagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefun­den, die nicht funk­tio­nie­ren.” (Tho­mas A. Edison)
  • “Wenn man Feh­ler machen darf, dann ist man inte­griert.” (unbe­kannt)
  • “Wer Feh­ler gemacht hat, hat meis­tens nur Erfah­rung gesam­melt.” (Oscar Wilde)
  • “Feh­ler dür­fen nicht mit Schlam­pe­rei ver­wech­selt wer­den.” (unbe­kannt)

Lite­ra­tur

  • /Brückner21/ Clau­dia Brück­ner: → Qua­li­täts­ma­nage­ment und Feh­ler­kul­tur. Mit Feh­lern gewinn­brin­gend umge­hen, Han­ser, Mün­chen 2021, ISBN 978–3‑446–46701‑9
  • /Malik17/ Fred­mund Malik: Gefähr­li­che Manage­m­ent­wör­ter, Cam­pus, Frank­furt 2. Auf­la­ge 2017, ISBN 978–3‑593–50540‑4
  • /Schüttelkopf19/ Elke M. Schüt­tel­kopf: Ler­nen aus Feh­lern. Wie man aus Scha­den klug wird, Hau­fe-Lex­wa­re, Frei­burg 3. Auf­la­ge 2019, ISBN 978–3‑648–13478‑8

Web­links

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