Das Kano-Diagramm Grafik des Monats Juni 2014

1. Beschreibung

Das → Kano-Modell (nach Noria­ki Kano, 1978) dient der Ana­ly­se von Kun­den­wün­schen und basiert auf Kun­den­be­fra­gun­gen und sta­tis­ti­schen Aus­wer­tun­gen. In die­sem Modell wer­den die Kun­den­an­for­de­run­gen in drei Arten von Anfor­de­run­gen (auch Fak­to­ren oder Merk­ma­le genannt) unterteilt:

  • Basis­an­for­de­run­gen (expec­ted or basic requi­re­ments) sind selbst­ver­ständ­lich vor­aus­ge­setz­te Sys­tem­merk­ma­le (“unter­be­wuss­tes Wissen”)
  • Leis­tungs­an­for­de­run­gen (nor­mal or per­for­mance requi­re­ments) sind expli­zit gefor­der­ten Sys­tem­merk­ma­le (“bewuss­tes Wissen”)
  • Begeis­te­rungs­an­for­de­run­gen (delight­ful or exci­te­ment requi­re­ments) sind Sys­tem­merk­ma­le, die der → Sta­ke­hol­der nicht kennt, die­se erst wäh­rend der Benut­zung ent­deckt und dann Begeis­te­rung bei ihm her­vor­ru­fen (“unbe­wuss­tes Wissen”)

Gra­fisch umge­setzt ergibt sich das Kano-Diagramm.

Das Kano-Diagramm: Darstellung, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2022

Abbil­dung 1.1: Das Kano-Dia­gramm: Darstellung

Im Kano-Dia­gramm wird der Erfül­lungs­grad der (Kunden-)Anforderungen der Kun­den­zu­frie­den­heit gegen­über­ge­stellt. Selbst wenn die Basis­an­for­de­run­gen (rote Linie) immer voll­stän­dig erfüllt sind, führt dies nicht zur Erhö­hung der Kun­den­zu­frie­den­heit. Anders die Leis­tungs­an­for­de­run­gen (blaue Linie): Wer­den die­se im Pro­dukt umge­setzt, so kön­nen sie zur Erhö­hung der Kun­den­zu­frie­den­heit bei­tra­gen. Aller­dings führt die unvoll­stän­di­ge Umset­zung die­ser Anfor­de­run­gen zur Unzu­frie­den­heit beim Kun­den. Die Begeis­te­rungs­an­for­de­run­gen (grü­ne Linie) hin­ge­gen tra­gen unmit­tel­bar zur Kun­den­zu­frie­den­heit bei, selbst wenn sie nur unzu­rei­chend umge­setzt wurden.

Die Begeis­te­rungs­an­for­de­run­gen wer­den im Lau­fe der Zeit zu Leis­tungs­an­for­de­run­gen und schließ­lich zu Basisanforderungen.

Die Anfor­de­run­gen im Kano-Modell kön­nen fol­gen­der­ma­ßen cha­rak­te­ri­siert werden:

Die Anforderungen im Kano-Modell, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2022

Abbil­dung 1.2: Die Anfor­de­run­gen im Kano-Modell

Bei­spie­le für die drei → Anfor­de­rungs­ar­ten im Kano-Modell:

Beispiele für Anforderungen im Kano-Modell, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2022

Abbil­dung 1.3: Bei­spie­le für Anfor­de­run­gen im Kano-Modell

1.1 Anmerkungen

Die Ermitt­lung der Anfor­de­run­gen im Kano-Modell erfolgt durch den Kano-Fra­ge­bo­gen. Hier­zu wer­den je zwei Fra­gen (1. funk­tio­nal – Eigen­schaft gege­ben; 2. dys­funk­tio­nal – Eigen­schaft nicht gege­ben) mit fünf Ant­wort­mög­lich­kei­ten (“das wür­de mich sehr freu­en”, “das set­ze ich vor­aus”, “das ist mir egal”, “das könn­te ich in Kauf neh­men”, “das wür­de mich stö­ren”) vorgegeben.

1.2 Einsatz

Das Kano-Modell wird bei der Ermitt­lung von Anfor­de­run­gen im → Requi­re­ments Engi­nee­ring (RE) ein­ge­setzt. Jedoch wird auf­grund des Auf­wands meis­tens kei­ne kom­plet­te Kano-Ana­ly­se (mit Fra­ge­bo­gen) durch­ge­führt. Den­noch wer­den alle drei Anfor­de­rungs­ar­ten impli­zit über die unter­schied­li­chen → Ermitt­lungs­tech­ni­ken erfasst.

Ermittlungstechniken im RE und das Kano-Modell, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2022

Abbil­dung 2.1: Ermitt­lungs­tech­ni­ken im RE und das Kano-Modell (nach /Pohl11/)

In der Pra­xis soll­te dar­auf geach­tet wer­den, dass alle Basis­an­for­de­run­gen und Leis­tungs­an­for­de­run­gen wei­test­ge­hend voll­stän­dig im Pro­dukt umge­setzt wer­den. Aber auch Begeis­te­rungs­an­for­de­run­gen soll­ten vor­han­den sein, um so den Kun­den von der eige­nen Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit zu überzeugen.

1.3 Auch zu finden in

Das Kano-Dia­gramm wird in fol­gen­den → Prä­sen­ta­tio­nen und Büchern beschrieben.

1.3.1 Eigene Präsentation

Inhalt Typ
Requi­re­ments Engi­nee­ring (und Busi­ness Ana­ly­sis) – Eine Ein­füh­rung (RE-Basis­prä­sen­ta­ti­on)

pdf

1.3.2 Literatur

In der Lite­ra­tur ist das Kano-Dia­gramm in der ein oder ande­ren Form häu­fi­ger zu fin­den, so z.B. in den hier auf­ge­führ­ten Büchern.

  • /Pohl11/ Klaus Pohl, Chris Rupp: Basis­wis­sen Requi­re­ments Engi­nee­ring: Aus- und Wei­ter­bil­dung nach → IREB-Stan­dard zum Cer­ti­fied Pro­fes­sio­nal for Requi­re­ments Engi­nee­ring – Foun­da­ti­on Level – IREB com­pli­ant, dpunkt, Hei­del­berg 3. Auf­la­ge 2011, ISBN 978–3‑89864–771‑7
  • /Rupp09/ Chris Rupp: Requi­re­ments-Engi­nee­ring und ‑Manage­ment: Pro­fes­sio­nel­le, ite­ra­ti­ve Anfor­de­rungs­ana­ly­se für die Pra­xis, Han­ser, Mün­chen 5. Auf­la­ge 2009, ISBN 978–3‑446–41841‑7

1.3.3 Weblinks

Legen­de zu den Weblinks
/ / Ver­weis auf eine Web­site (gene­rell)
/*/ Ver­weis auf eine Web­site, die als Buch-Ergän­zung dient
/#/ Ver­weis auf ein­zel­nes The­ma auf einer Website
/#V/ Ver­weis auf ein Video auf einer Website