Das magische Dreieck des Projektmanagements Grafik des Monats Februar 2014

1. Beschreibung

Zur Visua­li­sie­rung der (per­ma­nent zu über­prü­fen­den) Haupt­aspek­te in einem Pro­jekt wird häu­fig das “magi­sche Drei­eck” des Pro­jekt­ma­nage­ments ver­wen­det (Abbil­dung 1.1). Dabei wird ein Drei­eck ver­wen­det, an des­sen Ecken die Haupt­aspek­te notiert werden.

Das magisches Dreieck des Projektmanagements, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2015

Abbil­dung 1.1: Das magi­sche Drei­eck des Projektmanagements

Die drei Haupt­aspek­te sind …

In der übli­chen Dar­stel­lung (wie in Abbil­dung 1.1) wird die Leis­tung an die Spit­ze des Drei­ecks gesetzt, Zeit und Auf­wand dann an die unte­ren Enden. Die drei Aspek­te wer­den per­ma­nent über­prüft und abge­gli­chen; ein Pro­jekt ist nur erfolg­reich, wenn alle drei Aspek­te aus­rei­chend erfüllt wer­den. Ein Pro­jekt soll­te “in Time, in Bud­get and in Qua­li­ty / Scope” (“im Zeit‑, Auf­wands- und Leis­tungs­rah­men”) sein.

Anhand des magi­schen Drei­ecks kann ver­deut­licht wer­den, dass die drei Aspek­te von­ein­an­der abhän­gen. Möch­te man bei­spiels­wei­se die Leis­tung erhö­hen, also den Umfang ver­grö­ßern, so muss man ent­we­der den Auf­wand ver­grö­ßern oder die Zeit ver­län­gern. Abs­trakt bedeu­tet dies, dass die Flä­che des magi­schen Drei­ecks gleich blei­ben muss, wenn man die Aspek­te ver­än­dert. Dies ist in der nach­fol­gen­den Gra­fik dargestellt.

Das magisches Dreieck: Flächengleichheit, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2015

Abbil­dung 1.2: Das magi­sche Drei­eck des Pro­jekt­ma­nage­ments: Flächengleichheit

In der Lite­ra­tur ist gele­gent­lich auch eine Vari­an­te zu fin­den, bei der nicht die Ecken, son­dern die Sei­ten des Drei­ecks beschrif­tet wer­den. Die Bedeu­tung ist jedoch dieselbe.

Das magisches Dreieck: Variante, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2015

Abbil­dung 1.3: Das magi­sche Drei­eck des Pro­jekt­ma­nage­ments: Darstellungsvariante

1.1 Anmerkungen / Varianten

Das magi­sche Drei­eck ist in ers­ter Linie im deut­schen Sprach­raum bekannt und ent­spre­chend in der eng­lisch­spra­chi­gen Lite­ra­tur kaum zu fin­den. Die Über­set­zung lau­tet dann häu­fig “Trip­le Cons­traint”, “Iron Tri­ang­le” oder “Magic Tri­ang­le”, in der eng­li­schen Wiki­pe­dia ist der Begriff “Pro­ject manage­ment tri­ang­le” zu fin­den. Die drei Aspek­te wer­den dann als “Scope, Time and Bud­get” über­setzt; das magi­sche Drei­eck visua­li­siert dann den Spruch “We are on Scope, on Time and on Budget”.

1.1.1 Ziele im Projekt und das magische Dreieck

Ein Pro­jekt kann anhand der → Zie­le über­wacht und gesteu­ert (“con­trollt”) wer­den. Glei­ches gilt für das magi­sche Drei­eck: Auch die­ses wird zum Con­trol­ling her­an­ge­zo­gen. Der Zusam­men­hang zwi­schen den Zie­len, unter­schie­den in die bei­den Ziel­ka­te­go­rien “Sach­zie­le” und “Abwick­lungs­zie­le”, ist in der fol­gen­den Gra­fik dar­ge­stellt. Als wei­te­rer Aspekt ist die “Qua­li­tät” in die Mit­te des Drei­ecks geschrie­ben worden.

Das magisches Dreieck und die Ziele im Projekt, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2015

Abbil­dung 1.4: Das magi­sche Drei­eck und die Zie­le im Projekt

Anstatt der Haupt­aspek­te Leis­tung, Zeit, Auf­wand kön­nen die Zie­le auch direkt an die Ecken des Drei­ecks ein­ge­tra­gen wer­den, um so den Zusam­men­hang zwi­schen dem magi­schen Drei­eck und den Zie­len des Pro­jekts zu beto­nen. Es ergibt sich eine Vari­an­te, die nach­fol­gend dar­ge­stellt ist.

Das magisches Dreieck und die Ziele im Projekt: Darstellungsvariante, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2015

Abbil­dung 1.5: Das magi­sche Drei­eck und die Zie­le im Pro­jekt: Darstellungsvariante

1.1.2 Das Teufelsquadrat nach Sneed

Durch Auf­tei­len des Aspekts Leis­tung in “Quan­ti­tät” und “Qua­li­tät” ent­steht das “Teu­fels­qua­drat”, wel­ches ins­be­son­de­re in der Soft­ware-Ent­wick­lung beliebt ist.

Das Teufelsquadrat nach Sneed, (C) Peterjohann Consulting, 2006-2015

Abbil­dung 1.6: Das Teu­fels­qua­drat nach Sneed

Der Begriff “Teu­fels­qua­drat” fußt auf der Erkennt­nis, dass man durch Ver­än­de­rung eines der Aspek­te die ande­ren Aspek­te eben­falls mit ver­än­dert wer­den müs­sen – die auf­ge­spann­te Flä­che muss erhal­ten blei­ben. Soll bei­spiels­wei­se (wie hier in der Gra­fik ange­deu­tet) die Qua­li­tät erhöht (Pfeil 1 in der Gra­fik) und die Ent­wick­lungs­dau­er (Pfeil 2) ver­rin­gert wer­den, so müs­sen die Kos­ten erhöht und die Quan­ti­tät ver­rin­gert wer­den. Das inne­re blaue Qua­drat wird in ein flä­chen­glei­ches rotes Vier­eck umgewandelt.

1.1.3 Das Siebeneck im Projektmanagement

Eine erwei­ter­te Vari­an­te des magi­schen Drei­ecks ist das Sie­ben­eck im → Pro­jekt­ma­nage­ment, wel­ches ent­steht, wenn man die Aspek­te Qua­li­tät (Qua­li­ty), Kun­den­zu­frie­den­heit (Cus­to­mer Satis­fac­tion), Risi­ko (Risk) und Res­sour­cen (Resour­ces) hinzufügt.

Das Siebeneck im Projektmanagement, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2015

Abbil­dung 1.7: Das Sie­ben­eck im Projektmanagement

Die­se Dar­stel­lung ist in der Pra­xis eher sel­ten anzutreffen.

1.2 Einsatz

Die Dar­stel­lung des magi­schen Drei­ecks wird häu­fig im Pro­jekt­con­trol­ling und bei der Beschrei­bung von Pro­jekt­ri­si­ken verwendet.

1.2.1 Das magische Dreieck und die Risiken

Zu jedem Aspekt im magi­schen Drei­eck kön­nen typi­sche Risi­ken auf­tre­ten. Bei Rohr­schnei­der /Rohr06/ wer­den dazu benannt:

Das magische Dreieck und typische Risiken, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2015

Abbil­dung 2.1: Das magi­sche Drei­eck und typi­sche Risiken

1.2.2 Das magische Dreieck und die Priorisierung

In Pro­jek­ten kön­nen häu­fig nicht alle drei Aspek­te des magi­schen Drei­ecks gleich­zei­tig erreicht wer­den. Kerz­ner /Kerzner08/ emp­fiehlt zur Ver­mei­dung von Kon­flik­ten, im Vor­feld eines Pro­jekts den ein­zel­nen Aspek­ten des magi­schen Drei­ecks Prio­ri­tä­ten zuzu­ord­nen (sie­he Abbil­dung 2.2).

Das magische Dreieck und die Priorisierung, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2015

Abbil­dung 2.2: Das magi­sche Drei­eck und die → Prio­ri­sie­rung

1.2.3 Das magische Dreieck mit Ampeln

Die → Ampel­dar­stel­lung kann zur ver­ein­fach­ten Zusam­men­fas­sung des Pro­jekt­sta­tus ver­wen­det wer­den. Es wird hier­zu beim magi­schen Drei­eck für jede der drei Ziel­grö­ßen eine Ampel hin­zu­ge­fügt (sie­he Abbil­dung 2.3). Es gilt dabei zu beachten:

  • Die Grenz­wer­te für “grün”, “gelb” und “rot” müs­sen vor­ab fest­ge­legt wer­den (sie­he Legende)
  • Durch Pfei­le (rauf, run­ter, gleich­blei­bend) an den Ampeln wer­den die Ver­än­de­run­gen gegen­über dem letz­ten Stand festgehalten

Die Kom­men­tie­rung der ein­zel­nen Ampeln ist Pflicht; hier gibt es zwei mög­li­che, unter­schied­li­che Vorgaben:

  • Jede Ver­än­de­rung gegen­über dem letz­ten Stand muss erläu­tert werden
  • Alle gel­ben und roten Ampeln müs­sen kom­men­tiert werden
Magisches Dreieck mit Ampeln, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2015

Abbil­dung 2.3: Magi­sches Drei­eck mit Ampeln

Ist eine Ampel “grün”, so ist alles im Plan­be­reich (“Pro­jekt­ab­lauf nicht gefähr­det”), bei “gelb” gibt es rele­van­te Pla­n­ab­wei­chun­gen (“Pro­jekt­ab­lauf / Teil­zie­le gefähr­det”) und bei “rot” ist eine mas­si­ve Abwei­chung vom Plan fest­zu­stel­len (“Das Errei­chen der Pro­jekt­ziel­grö­ße ist gefährdet”).

Legende zum Ampelreport, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2015

Abbil­dung 2.4: Legen­de zum magi­schen Drei­eck mit Ampeln

1.2.4 Das magische Dreieck im klassischen und agilen PM

Zur Ver­deut­li­chung der Unter­schie­de zwi­schen klas­si­schem und agi­lem Pro­jekt­ma­nage­ment wird die übli­che Dar­stel­lung (für das klas­si­sche PM) einer um 180 Grad gedreh­ten Vari­an­te (für das agi­le PM) gegenübergestellt.

Das magische Dreieck im klassischen und agilen PM, (C) Peterjohann Consulting, 2014-2015

Abbil­dung 2.5: Das magi­sche Drei­eck im klas­si­schen und agi­len PM

Dabei wird das klas­si­sche Pro­jekt­ma­nage­ment fol­gen­der­ma­ßen charakterisiert:

  • Alle Anfor­de­run­gen (die die Leis­tung beschrei­ben) sind voll­stän­dig defi­niert und festgeschrieben
  • Der Zeit­raum ist geplant
  • Der Auf­wand (= Res­sour­cen wie Kos­ten und Mit­ar­bei­ter) kön­nen erhöht wer­den, um die Fer­tig­stel­lung zu beschleunigen

Dem­ge­gen­über steht das agi­le Pro­jekt­ma­nage­ment, für das fest­ge­hal­ten wird:

  • Anfor­de­run­gen sind grob beschrie­ben und priorisiert
  • Im fest­ge­leg­ten Zeit­raum müs­sen die wich­tigs­ten Anfor­de­run­gen umge­setzt werden
  • Der Auf­wand (= Res­sour­cen wie Kos­ten und Mit­ar­bei­ter) ist fest­ge­legt und wird gesteu­ert, um inner­halb des Auf­wand­rah­mens zu bleiben

1.3 Auch zu finden in

Das magi­sche Drei­eck ist in der ein oder ande­ren Form auch in fol­gen­den → Prä­sen­ta­tio­nen und Büchern enthalten.

1.3.1 Eigene Präsentationen

Inhalt Typ
Pro­jekt­ma­nage­ment – Eine Ein­füh­rung (PM-Basis­prä­sen­ta­ti­on)

pdf

Pro­jekt­ma­nage­ment: Con­trol­ling – Eine Übersicht

pdf

1.3.2 Literatur

  • /Fiedler13/ Rudolf Fied­ler: Con­trol­ling von Pro­jek­ten: Mit kon­kre­ten Bei­spie­len aus der Unter­neh­mens­pra­xis – Alle Aspek­te der → Pro­jekt­pla­nung, Pro­jekt­steue­rung und Pro­jekt­kon­trol­le, Vie­w­eg + Teu­b­ner, Wies­ba­den 6. Auf­la­ge 2013, ISBN 978–3‑8348–1769‑3
  • /GPM12/ Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment: Kom­pe­tenz­ba­sier­tes Pro­jekt­ma­nage­ment (PM3), → GPM, Deut­sche Gesell­schaft für Pro­jekt­ma­nage­ment, Nürn­berg 5. Auf­la­ge 2012, ISBN 978–3‑924841–40‑9
  • /Kerzner08/ Harold Kerz­ner: Pro­jekt­ma­nage­ment – Ein sys­tem­ori­en­tier­ter Ansatz zur Pla­nung und Steue­rung, mitp, Bonn, 2. Auf­la­ge 2008, ISBN 978–3‑8266–1666‑2
  • /Rohr06/ Uwe Rohr­schnei­der: → Risi­ko­ma­nage­ment in Pro­jek­ten: Die häu­figs­ten Fal­len und Gefah­ren – die bes­ten Sofort­maß­nah­men, Hau­fe, Mün­chen 2006, ISBN 978–3‑448–06819‑1