Merkregeln für das Requirements Engineering Leitlinien für die Umsetzung

Es gibt eini­ge Merkregeln(-Sammlungen) zum → Requi­re­ments Engi­nee­ring, die bei der Umset­zung von Requi­re­ments-Pro­jek­ten beach­tet wer­den sol­len.
Eini­ge die­ser Merk­re­geln wer­den in die­sem Bei­trag vorgestellt.

Merk­re­geln hel­fen, wesent­li­che Aspek­te eines Requi­re­ments-Pro­jekts oder ‑Vor­ha­bens zu berück­sich­ti­gen. Die Merk­re­geln kön­nen als Check­lis­te betrach­tet werden.

Merkregeln für das Requirements Engineering: Unterteilung, (C) Peterjohann Consulting, 2020-2022

Abbil­dung 1: Merk­re­geln für das Requi­re­ments Engi­nee­ring: Unterteilung

1. Meine Merkregeln für das Requirements Engineering

Mei­ne Merk­re­geln resul­tie­ren aus mei­nen Erfah­run­gen und den von mir gehal­te­nen Schu­lun­gen / Trai­nings zum Requi­re­ments Engineering.

  • Requi­re­ments Engi­nee­ring kos­tet Zeit und Geld: Dies muss Ihnen (und Ihren Geld­ge­bern) bewusst sein
  • ABC — “Allo­ca­ti­on Befo­re Com­mit­ment” — “Erst zuord­nen, dann zustim­men”: Ord­nen Sie die Anfor­de­run­gen erst einem Bereich zu, bevor Sie eine Zusa­ge zur Umset­zung geben
  • Beach­ten Sie “die Flug­hö­he”: Es macht einen gro­ßen Unter­schied, ob Sie Anfor­de­run­gen für die Busi­ness-Ebe­ne oder für die tech­ni­sche Ebe­ne ent­wi­ckeln müssen
  • “Requi­re­ments Engi­nee­ring endet nie”: Requi­re­ments Engi­nee­ring ist eine kon­ti­nu­ier­li­che Auf­ga­be und ein Requi­re­ments-Pro­jekt endet erst, wenn das betrach­te­te Objekt (Pro­dukt oder Dienst­leis­tung) aus dem Markt genom­men wird

2. Merkregeln anderer Autoren

In eini­gen Büchern / von eini­gen Autoren gibt es Merk­re­geln zum Requi­re­ments Engi­nee­ring. Hier sind eini­ge davon aufgeführt.

2.1 Die Top-10-Tipps nach Ebert

Ebert /Ebert19/ benennt fol­gen­de Top-10-Tipps zum Requi­re­ments Engineering:

  1. Arbei­ten Sie pro­fes­sio­nell bei allem, was Sie tun
  2. Schaf­fen Sie kla­re Ver­ant­wor­tun­gen für Ergebnisse
  3. Ver­wen­den Sie stan­dar­di­sier­te → Vor­la­gen
  4. Schaf­fen sie Wert: “Wow” statt unnö­ti­ger Funktionen
  5. Ska­lie­ren Sie agi­le Tech­ni­ken für Ihre Umgebung
  6. Good enough: Lie­fern Sie hin­rei­chend gute → Qua­li­tät
  7. ABC: Ent­wi­ckeln Sie nur ver­ein­bar­te Anforderungen
  8. Ver­fol­gen Sie den Sta­tus der Anforderungen
  9. Lie­fern Sie → inkre­men­tell mit prio­ri­sier­ten Anforderungen
  10. Ler­nen Sie von ande­ren und ver­bes­sern Sie sich messbar

Anmer­kung:
Die ABC-Regel bedeu­tet “Allo­ca­ti­on Befo­re Com­mit­ment”: Wenn Anfor­de­run­gen auf­tau­chen, soll­te der → Requi­re­ments Engi­neer die­se erst zuord­nen bevor eine Umset­zungs­zu­sa­ge erfolgt.

2.2 Die zehn Prinzipien des Requirements Engineerings nach Winteroll

Win­te­roll /Winteroll21/ lis­tet zehn Prin­zi­pi­en zum Requi­re­ments Engi­nee­ring auf, die auf den neun Prin­zi­pi­en des → IREB-Lehr­plans /IREB-20/ basieren: 

  1. Zusam­men­ar­beit: Requi­re­ments Engi­nee­ring allein funk­tio­niert nicht 
  2. Wert­ori­en­tie­rung: Anfor­de­run­gen sind kein Selbstzweck 
  3. → Sta­ke­hol­der: Es geht dar­um, ihren Bedarf zu erfüllen 
  4. Gemein­sa­mes Ver­ständ­nis: Die Basis für erfolg­rei­che Systementwicklung 
  5. Kon­text: Not­wen­dig, um Sys­te­me zu verstehen 
  6. → Pro­blem, Anfor­de­rung, Lösung: Eine untrenn­ba­re Verbindung 
  7. Vali­die­rung: Unge­prüf­te Anfor­de­run­gen sind nutzlos 
  8. Evo­lu­ti­on: Ände­run­gen sind normal 
  9. Inno­va­ti­on: Mehr vom Glei­chen reicht nicht 
  10. Sys­te­ma­ti­sche und dis­zi­pli­nier­te Arbeit: Ohne geht es nicht

2.3 Zehn wichtige Ratschläge zur erfolgreichen Anforderungsermittlung nach Sommerville

Som­mer­vil­le /Sommerville97/ gibt zehn Rat­schlä­ge zur erfolg­rei­chen → Anfor­de­rungs­er­mitt­lung, die dann zu einem guten Anfor­de­rungs­do­ku­ment führen: 

  1. Defi­nie­re eine Stan­dard-Glie­de­rung für das Dokument 
  2. Gestal­te das Doku­ment änderungsfreundlich 
  3. Gib jeder Anfor­de­rung eine ein­deu­ti­ge Bezeichnung
  4. Defi­nie­re eine Vor­ge­hens­wei­se bei Ände­rung der Anforderungen 
  5. Defi­nie­re Stan­dard-Vor­la­gen für die Beschrei­bung von Einzelanforderungen 
  6. Ver­wen­de eine ein­fa­che, kon­sis­ten­te und knap­pe Sprache 
  7. Orga­ni­sie­re for­mel­le Begut­ach­tun­gen der Anforderungen 
  8. Defi­nie­re → Check­lis­ten für die Begut­ach­tung von Anforderungen 
  9. Benut­ze Check­lis­ten zur Anforderungsanalyse 
  10. Rech­ne von vorn­her­ein mit Kon­flik­ten und pla­ne die Konfliktauflösung

A. Präsentationen, Literatur und Weblinks

A.1 Präsentationen

  • -

A.2 Literatur

  1. /Ebert19/ Chris­tof Ebert: Sys­te­ma­ti­sches Requi­re­ments Engi­nee­ring. Anfor­de­run­gen ermit­teln, doku­men­tie­ren, ana­ly­sie­ren und ver­wal­ten, dpunkt, Hei­del­berg 6. Auf­la­ge 2019, ISBN 978–3‑86490–562‑9
  2. /Hruschka19/ Peter Hrusch­ka: Busi­ness Ana­ly­sis und Requi­re­ments Engi­nee­ring: Pro­zes­se und Pro­duk­te nach­hal­tig ver­bes­sern, Han­ser, Mün­chen 2. Auf­la­ge 2019, ISBN 978–3‑446–45589‑4
  3. /Rupp20/ Chris Rupp: Requi­re­ments-Engi­nee­ring und ‑Manage­ment. Das Hand­buch für Anfor­de­run­gen in jeder Situa­ti­on, Han­ser, Mün­chen 7. Auf­la­ge 2020, ISBN 978–3‑446–45587‑0
  4. /Sommerville97/ Ian Som­mer­vil­le, Pete Sawy­er: Requi­re­ments Engi­nee­ring. A Good Prac­ti­ce Gui­de, John Wiley & Sons, Hobo­ken, New Jer­sey 1997, ISBN 978–0‑471–97444‑4
  5. /Winteroll21/ Mar­cus Win­te­roll: Requi­re­ments Engi­nee­ring für Dum­mies, Wiley-VCH, Wein­heim 2021, ISBN 978–3‑527–71635‑7

A.3 Weblinks